Trotz neuer Regierung: Zuspruch zur EU nimmt in Polen stark ab

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Laut einer Umfrage des IBRiS-Instituts für die Tageszeitung Rzeczpospolita glauben immer weniger Polen, dass die Vorteile der polnischen EU-Mitgliedschaft ihre Nachteile überwiegen. Der Anteil der EU-Befürworter hingegen sank in nur drei Jahren um elf Prozentpunkte. [Shutterstock/Adam Wasilewski]

Die Polen stehen der EU-Mitgliedschaft laut einer jüngsten Meinungsumfrage weit weniger positiv gegenüber als im Jahr 2020. Zudem glauben nur noch knapp die Hälfte der Befragten, dass die Vorteile der Mitgliedschaft die Nachteile überwiegen.

Der Anteil der EU-Befürworter sank laut einer Umfrage des IBRiS-Instituts für die Tageszeitung Rzeczpospolita in nur drei Jahren um elf Prozentpunkte. Zudem glauben immer weniger Polen an die Vorteile der Mitgliedschaft in der EU.

Nur mehr 53,5 Prozent der Befragten gaben an, dass die EU-Mitgliedschaft mehr Vorteile als Nachteile mit sich bringe. Gleichzeitig waren 16,7 Prozent der Meinung, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen, während 24,7 Prozent der Meinung waren, dass sie sich gegenseitig aufheben.

Der Umfrage zufolge lässt sich der Rückgang des Anteils der EU-Befürworter weitgehend durch den Anteil derjenigen erklären, die sowohl Vorteile als auch Kosten der EU-Mitgliedschaft sehen, der um neun Prozentpunkte gestiegen ist. Die Zahl der EU-Skeptiker hat sich dagegen nicht wesentlich verändert.

Auch die politische Zugehörigkeit geht der Umfrage zufolge mit unterschiedlichen Ansichten über die EU einher.

Während die Befürwortung der EU-Mitgliedschaft bei den Wählern der konservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) von 47 Prozent im Jahr 2020 auf heute 17 Prozent zurückging, blieb die Unterstützung für die EU bei den Wählern der Bürgerkoalition von Donald Tusk (KO, EVP/S&D) mit 95 Prozent im Jahr 2020 und 94 Prozent heute stabil.

Geld ist ein starker Anreiz

Als größte Vorteile der EU-Mitgliedschaft nannten die Befragten vor allem praktische Aspekte wie offene Grenzen und Freizügigkeit (32,2 Prozent), Zugang zu EU-Geldern (21,3 Prozent) und mehr Sicherheit im eigenen Land (24,7 Prozent). Die Polen schätzen auch die Möglichkeit, im Ausland zu studieren.

Als Nachteile nannten die Befragten die von der EU auferlegten Gesetze, an die sich Polen halten muss (33,8 Prozent), die ungleiche Behandlung der Mitgliedstaaten (30,5 Prozent), die unzureichende Migrationspolitik (12,5 Prozent) und Polen als Quelle billiger Arbeitskräfte (4,6 Prozent).

Aus einer Analyse der polnischen Pekao Bank geht hervor, dass Polen der größte Nutznießer der EU-Erweiterung ist, da sich sein Bruttoinlandsprodukt zwischen 2004 und 2022 verdoppelt hat, was deutlich mehr ist als in jedem anderen Mitgliedstaat der Region.

Polen ist auch der Staat in der Region, der seinen Anteil am EU-Handel am stärksten steigern konnte, nämlich von drei auf sechs Prozent.

Das Jahr 2024 markiert den 20. Jahrestag des Beitritts Polens zur EU. Polen hatte 2011 bereits einmal die EU-Ratspräsidentschaft inne und wird diese im nächsten Jahr wieder übernehmen, erneut mit Tusk als Ministerpräsident.

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