Südosteuropas größtes Atomprojekt: Ohne Beteiligung von EU-Unternehmen

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Die genauen Kosten für das Projekt stehen noch nicht fest, aber die Regierung hat angekündigt, dass sie sich um ein Angebot von weniger als 14 Milliarden Dollar für die beiden neuen AR-1000-Reaktoren bemühen wird, die mit der Technologie des US-Unternehmens Westinghouse arbeiten. [Shutterstock/Philip Lange]

In Bulgarien soll das größte Atomprojekt in Südosteuropa entstehen. Das bulgarische Parlament hatte in einer denkbar knappen Abstimmung sich für das südkoreanische Unternehmen Hyundai entschieden. Nun geht es in die Verhandlungen für den Bau der neuen Blöcke des Kernkraftwerks Kosloduj.

Die genauen Kosten für das Projekt stehen noch nicht fest, aber die Regierung hat angekündigt, dass sie sich um ein Angebot von weniger als 14 Milliarden Dollar für die beiden neuen AR-1000-Reaktoren bemühen wird, die mit der Technologie des US-Unternehmens Westinghouse arbeiten. Das bedeutet, dass der Strom aus den neuen Reaktorblöcken 65 Euro pro Megawattstunde kosten dürfte.

Einige Atomexperten halten die geschätzten Kosten für die Reaktoren jedoch für unrealistisch niedrig.

Die Entscheidung des Parlaments wurde am Freitag (23. Februar) nach einer mehr als dreistündigen Debatte getroffen. Der Vorschlag, dass das staatliche Kernkraftwerk Kosloduj ausschließlich mit Hyundai Engineering verhandeln soll, kam von zwei Parteien der Regierungskoalition – GERB (EVP) und DPS (ALDE). Die Verhandlungen müssen nun bis zum 15. April abgeschlossen werden.

GERB und DPS lehnten den Vorschlag der dritten Partei der Regierungskoalition, PP-DB, ab, gleichzeitig mit Hyundai und dem US-Unternehmen Bechtel zu verhandeln, das bereits mit Westinghouse in der Tschechischen Republik und in Polen zusammenarbeitet. Die PP-DB begründet ihren Vorschlag damit, dass Wettbewerb die Kosten für das Projekt senken könne.

Das Zünglein an der Waage war nur eine Stimme mehr zugunsten von Hyundai. Insgesamt gab es 112 Pro-, 111 Gegenstimmen und Enthaltungen.

Beide Alternativvorschläge sehen vor, dass bulgarische Unternehmen mindestens 30 Prozent der Arbeiten durchführen. Die Bauzeit für die beiden Reaktoren beträgt 60 Monate und 54 Monate jeweils für den siebten und achten Block. Es ist geplant, dass der erste neue Kernkraftwerksblock bis 2033 in das Energiesystem integriert wird.

„Das Parlament ist nicht die Institution, die die Auftragnehmer auswählen sollte, sondern es sollte Gesetze verabschieden“, sagte der Co-Vorsitzende der PP-DB, Kiril Petkov, während der Debatte.

Delyan Dobrev (GERB) warf der PP-DB vor, seit Monaten zu versuchen, das Auswahlverfahren für die Auftragnehmer zu sabotieren.

Vor einer Woche hatte Dobrev, der den parlamentarischen Energieausschuss leitet, öffentlich verkündet, dass Hyundai das einzige Unternehmen sei, das die bulgarischen Bedingungen für das Atomprojekt Kosloduj erfülle.

Später am Wochenende wurde bekannt, dass die US-amerikanischen Atomunternehmen Bechtel und Fluor, Hyundai aus Südkorea und CNNC aus China Angebote eingereicht hatten. Das französische Unternehmen EDF, das als einziges europäisches Unternehmen im Rennen gewesen wäre, bekundete inoffiziell ebenfalls Interesse an einer Beteiligung am Bau der Anlage, zog sich aber schließlich zurück.

Letzte Woche traf der französische Präsident Emmanuel Macron den bulgarischen Ministerpräsidenten Nikolai Denkov in Paris. Die beiden vereinbarten eine stärkere Zusammenarbeit im Bereich der Atomenergie.

Französische Unternehmen halten sich jedoch vorerst von Südosteuropas größtem Atomprojekt fern.

[Bearbeitet von Kjeld Neubert]

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