Schwedens Bevölkerung soll sich vor möglichem Krieg wappnen

"Auf individueller Ebene muss man sich mental vorbereiten", sagte der schwedische Oberbefehlshaber Micael Bydén. Er fügte hinzu: "Dies ist eine sehr ernste Situation, und die Klarheit gestern war unmissverständlich. Jetzt geht es darum, den Worten und dem Verständnis Taten folgen zu lassen." [EPA-EFE/PONTUS LUNDAHL SWEDEN OUT]

Hochrangige Sicherheitsbeamte, darunter der schwedische Zivilschutzminister Carl-Oskar Bohlin und der Oberbefehlshaber des Landes, Micael Bydén, sind sich einig, dass Schweden bald mit einem Krieg konfrontiert werden könnte. Sie fordern eine erhöhte Widerstandsfähigkeit, auch in der Zivilbevölkerung.

Vor dem Hintergrund des für 2024 erwarteten NATO-Beitritts Schwedens und des russischen Krieges in der Ukraine forderte der schwedische Minister für Zivilschutz, Carl-Oskar Bohlin, seine Mitbürger am Sonntag (7. Janaur) auf der Sicherheitskonferenz Folk och Försvar auf, sich auf einen Krieg vorzubereiten.

Auf der jährlichen Konferenz, die sich mit Sicherheitspolitik, Verteidigung und Zivilschutz befasst, äußerte Bohlin seine Besorgnis darüber, dass die Modernisierung des schwedischen Zivilschutzes nicht schnell genug vorankomme. Er forderte alle, von Managern über Gemeinderäte bis hin zu Privatpersonen, auf, aktiv zu werden.

„Viele haben es schon vor mir gesagt, aber lassen Sie es mich mit der kraft meines Amtes sagen: Es könnte einen Krieg in Schweden geben“, so Bohlin. Außerdem müsse dieses Bewusstsein in praktische Maßnahmen umgesetzt werden.

Er zog auch Parallelen zur Ukraine, die einer groß angelegten russischen Invasion mit „totaler Widerstandsfähigkeit“ begegnete, wie er sagte.

„Eine solche Anstrengung kann nur dann schnell genug unternommen werden, wenn die große Mehrheit der Menschen sich der Situation bewusst ist und versteht, was auf dem Spiel steht“, erklärte Bohlin.

Der schwedische Oberbefehlshaber Micael Bydén kommentierte Bohlins Äußerungen am Montag im schwedischen Fernsehsender SVT und stimmte den Worten des Ministers zu.

„Auf individueller Ebene muss man sich mental vorbereiten“, sagte Bydén. Er fügte hinzu: „Dies ist eine sehr ernste Situation, und die Klarheit gestern war unmissverständlich. Jetzt geht es darum, den Worten und dem Verständnis Taten folgen zu lassen.“

Bydén verwies auf die beträchtlichen Investitionen und Anstrengungen, die in den letzten Jahren unternommen wurden, um die Sicherheit Schwedens so weit zu stärken, dass die Verteidigungsfähigkeit des Landes deutlich besser geworden ist. Er sagte aber auch, dass es umso besser sei, je früher Schweden vollwertiges Mitglied der NATO werde.

„Hoffnung ist keine Strategie, auf der man Pläne aufbauen kann, aber Hoffnung muss vorhanden sein. Es ist nicht alles düster“, ergänzte Bydén.

„Schauen Sie sich die Nachrichten aus der Ukraine an und stellen Sie sich die einfachen Fragen: Wenn das hier passiert, bin ich darauf vorbereitet? Was sollte ich tun? Je mehr Menschen nachgedacht, abgewogen und sich vorbereitet haben, desto stärker wird unsere Gesellschaft sein“, so Bydén weiter.

Die schwedische Agentur für zivile Notfälle (MSB) hat nun die Aufgabe, wesentliche und für den Krieg entscheidende Behörden und Unternehmen beim Aufbau ihrer Kriegsorganisation zu unterstützen. Die schwedische Regierung will außerdem eine Analyse erstellen, wie die Sicherheit der Versorgung mit Gesundheitsprodukten verbessert werden kann.

[Bearbeitet von Kjeld Neubert]

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