Belgrad ist verärgert über Kosovos Bestrebungen, Panzerabwehrraketen von den USA zu kaufen, denkt aber derweil über die Wiedereinführung der Wehrpflicht nach.
Die Spannungen zwischen Serbien und Kosovo – ehemals Teil Serbiens – hatten seit Anfang letzten Jahres zugenommen. Der jüngste Konflikt dreht sich vor allem um die Situation der serbischen Minderheit im Norden des Kosovo, wobei Serbien unter anderem Truppen an der Grenze zum Kosovo zusammengezogen hatte.
Am Donnerstag (11. Januar) gab das US-Außenministerium bekannt, dass es den möglichen Verkauf von 246 Raketen vom Typ Javelin sowie von anderen Ausrüstungsgegenständen an den Kosovo im Wert von 75 Millionen Dollar genehmigt hat.
„Dieser vorgeschlagene Verkauf wird die außenpolitischen Ziele und die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten unterstützen, indem er die Sicherheit eines europäischen Partners verbessert, der eine wichtige Kraft für die politische und wirtschaftliche Stabilität in Europa darstellt“, erklärte das Büro für politisch-militärische Angelegenheiten des US-Außenministeriums.
Die Nachricht kam bei Präsident Aleskander Vucic, der vom US-Botschafter in Serbien, Christopher Hill, informiert wurde, nicht gut an. Medienberichten zufolge war er von der Entscheidung enttäuscht.
Anfang Januar hatte Vucic behauptet, dass Serbien über eine der stärksten Armeen auf dem Balkan verfüge. Dabei verwies er auf die „große Anzahl“ von Panzern, die das Land vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine von Russland erhalten habe. Er fügte hinzu, dass er weiterhin Waffen aus China und anderen Ländern kaufen werde, darunter Kampfflugzeuge, Drohnen und Flugabwehrsysteme.
Serbien hat zudem Schritte zur Wiedereinführung der Wehrpflicht unternommen. Während der Weihnachtsfeiertage hatten serbische Beamte die Idee ins Spiel gebracht, zur Wehrpflicht zurückzukehren. Am 4. Januar schlug das Verteidigungsministerium Vucic dies offiziell vor. Die Idee war bereits 2016, 2018 und 2022 im Gespräch gewesen.
Verteidigungsminister Miloš Vučević sagte, es handele sich nicht um einen Aufruf zum Krieg, sondern um ein Verständnis der aktuellen Sicherheitslage, der geopolitischen Umstände und um einen Schritt zur Sicherung von Serbiens Zukunft.
Vučević wies auch darauf hin, dass noch unklar sei, ob der Militärdienst im Falle einer Reaktivierung 100 oder 120 Tage dauern würde.
„Unser Vorschlag sieht eine maximale Dauer von vier Monaten vor. Wenn der Staat diesen Vorschlag akzeptiert, werden wir um eine gewisse Zeit bitten, um die Kasernen und Rekrutierungszentren entsprechend den modernen Lebensumständen vorzubereiten“, sagte der Minister.
„Wir wollen nicht in die Zeiten der 70er, 80er oder 90er Jahre zurückkehren, sondern diesen jungen Männern, den zukünftigen Soldaten, die der Stolz Serbiens sind, die bestmöglichen Lebensbedingungen in den Kasernen bieten“, so Vučević weiter.
Serbien hatte die Wehrpflicht am 1. Januar 2011 abgeschafft und die Ableistung eines Militärdienstes freiwillig gemacht.
Kritiker sagten, die Wiedereinführung sei ein Versuch, die Bevölkerung von anderen Themen abzulenken. Dies beinhalte das Ergebnis der Wahlen vom 17. Dezember – die wegen Unregelmäßigkeiten kritisiert wurden – der mutmaßlichen Entführung und Folter eines Oppositionspolitikers und der demokratischen Rückbildung in vielen Bereichen.


