Die Zahl der gemeldeten Fälle von häuslicher Gewalt gegen Frauen in Rumänien ist laut einem am Dienstag (12. Dezember) veröffentlichten Bericht gestiegen. Auch die Zahlen zu betroffenen Kindern und der Strafverfolgung zeichnen ein beunruhigendes Bild.
Im vergangenen Jahr habe es über 90.000 Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt gegeben, heißt es in dem Bericht der NGO Centrul Filia, welcher im Rahmen des Projekts „Reclaiming Power! Making Politics Work for Women“ (Macht zurückerobern! Politik für Frauen machen) veröffentlicht wurde.
Der Bericht hebt jedoch hervor, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen immer noch zu wenig gemeldet werde. Dies gelte insbesondere für die Opfer, die eher mit diskriminierenden Haltungen konfrontiert sind.
Darüber hinaus fehle vielen Opfern das Vertrauen, dass die Behörden ihnen helfen könnten, heißt es weiter.
Im Durchschnitt würden zudem jeden Tag acht Kinder vergewaltigt. Diese Zahlen berücksichtigen wiederum nur Fälle, die den Behörden zur Kenntnis gebracht werden, was darauf hindeutet, dass das wahre Ausmaß der sexuellen Gewalt gegen Kinder unbekannt bleibt.
Ende 2021 waren dem Bericht zufolge 2.523 Mädchen im Alter zwischen elf und 14 Jahren Mütter geworden. Im Gegensatz zu den vorherrschenden Vorurteilen, dass minderjährige Mütter der Roma-Minderheit angehören, widersprechen die Daten der Volkszählung diesen Annahmen. Nach Angaben von Centrul Filia sind etwa 78 Prozent der Mädchen rumänischer Herkunft, und nur 10 Prozent gehören der Roma-Minderheit an.
Der Bericht stellt außerdem fest, dass drei von vier aufgeklärten Vergewaltigungsfällen eingestellt werden, während nur einer von vier Fällen vor Gericht verhandelt wird. Die Autoren des Berichts plädieren außerdem dafür, dass Staatsanwälte aufgeschlüsselte Daten über die Gründe für die Einstellung des Verfahrens erheben sollten, um die Herausforderungen bei der Strafverfolgung von Sexualstraftätern besser zu verstehen.
Von den abgeschlossenen Fällen wurden 58 Prozent nach der Klassifizierung abgeschlossen, und 222 Fälle wurden während der Strafverfolgung eingestellt.
Die Dauer der Aufklärung von Vergewaltigungsfällen könne sowohl Opfer entmutigen, die Anzeige erstattet haben, als auch Betroffene, die sich überlegen, ob sie rechtliche Schritte einleiten wollen, schrieb die NGO.

