Pfizer-Affäre: Leitende EU-Abgeordnete Michèle Rivasi stirbt im Alter von 70 Jahren

Rivasi war seit 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments für die Grünen und engagierte sich insbesondere im Kampf gegen das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Mercosur sowie gegen den Einsatz von Pestiziden, darunter Glyphosat. [© European Union 2018 - Source : EP]

Michèle Rivasi, die grüne Europaabgeordnete, die sich für die Veröffentlichung des SMS-Austausches zwischen der Kommissionspräsidentin und dem CEO von Pfizer einsetzte, ist am Mittwoch (29. November) im Alter von 70 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.

Rivasi war seit 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments für die französischen Grünen und engagierte sich insbesondere im Kampf gegen das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Mercosur sowie gegen den Einsatz von Pestiziden, darunter Glyphosat.

Im Namen der Transparenz widmete sie einen Teil ihres letzten Mandats der Untersuchung der sogenannten „Pfizer-Affäre.“ Dabei geht es um den Verdacht, dass zwischen der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und dem CEO von Pfizer, Albert Bourla, Textnachrichten über die Aushandlung eines Vertrags über 1,8 Milliarden Dosen Corona-Impfstoffe ausgetauscht wurden.

„Michèle Rivasi hat ihr Leben dem Schutz der Artenvielfalt und unserer Gesundheit gewidmet und sich für die Transparenz unserer Institutionen im Interesse der europäischen Bürger eingesetzt“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Sie war auch für ihre kontroverse Haltung zu Impfstoffen bekannt. Während der Corona-Pandemie hatte die Europaabgeordnete die Einführung eines „Corona-Zertifikats“ und die Pflichtimpfung von Mitarbeitern im Gesundheitswesen in Frankreich kritisiert.

Auf X erklärte die Präsidentin des Europäischen Parlaments Roberta Metsola, sie sei „traurig“ über den „plötzlichen Tod“ von Rivasi, „einer erfahrenen, engagierten und hart arbeitenden Europaabgeordneten mit festen Überzeugungen.“

„Wir sind zutiefst betrübt über den Tod unserer Kollegin Michèle Rivasi. […] Ihre bemerkenswerte Karriere, ihr leidenschaftlicher politischer Kampf und ihr Einfühlungsvermögen haben bei allen, die sie kennenlernen durften, Spuren hinterlassen“, so Terry Reintke und Philippe Lamberts im Namen der Grünen/EFA-Fraktion.

„Unsere Fraktion und das Europäische Parlament verlieren heute eine politische Persönlichkeit, die sich während ihrer gesamten Laufbahn vor allem für das öffentliche Interesse eingesetzt hat“, heißt es in der Erklärung.

Bevor sie ins Europäische Parlament gewählt wurde, war Rivasi von 1997 bis 2002 Abgeordnete der Sozialisten für die südostfranzösische Region Drôme. Sie gründete auch die Französische Kommission für unabhängige Forschung und Information über Radioaktivität (CRIIRAD) nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl im April 1986.

New York Times verklagt EU-Kommission wegen Pfizer-Affäre

Die New York Times verklagt die Europäische Kommission, weil sie die zwischen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und dem CEO des Pharmariesen Pfizer während der COVID-19-Pandemie ausgetauschten Textnachrichten nicht veröffentlicht hat.

[Bearbeitet von Theo Bourgery-Gonse/Kjeld Neubert]

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