Nach Erhöhung der Terrorwarnstufe: Experte warnt vor falschem Gefühl der Sicherheit in Italien

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Nach Frankreich hat Italien in dieser Woche seine Terrorwarnstufe erhöht. Anlass war der Angriff auf eine Konzerthalle in einem Moskauer Vorort am Samstag, zu dem sich ein Mitglied der Terrororganisation Islamischer Staat bekannte. [EPA-EFE/PAOLO SALMOIRAGO]

Nach dem Terroranschlag in Moskau, bei dem rund 140 Menschen ums Leben kamen, hat Italien seine Terrorwarnstufe auf die höchstmögliche Stufe angehoben. Viele Italiener fühlen sich von islamistischem Terrorismus nicht betroffen, doch ein Experte warnt vor Italiens übersehenem Gefährdungspotenzial.

Nach Frankreich hat auch Italien in dieser Woche seine Terrorwarnstufe erhöht. Anlass war der Angriff auf eine Konzerthalle in einem Moskauer Vorort am Samstag, zu dem sich die Terrororganisation Islamischer Staat bekannte.

Das Nationale Komitee für öffentliche Sicherheit unter dem Vorsitz von Innenminister Matteo Piantedosi betonte, man werde während der Osterfeiertage in ganz Italien die Anti-Terror-Maßnahmen zu verstärken.

Dazu gehört auch eine verstärkte Überwachung beliebter Reiseziele und „sensibler Orte.“

Der stellvertretende Ministerpräsident und Außenminister, Antonio Tajani, versicherte der Öffentlichkeit jedoch am Sonntag, dass in Italien „kein konkretes Risiko“ bestehe.

Die Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden des Landes seien weiterhin wachsam, um mögliche Bedrohungen abzuwehren.

In einem Interview mit Euractiv verwies Claudio Bertolotti, Terrorexperte am Institut für Internationale Politische Studien (ISPI) und Direktor der Beratungsfirma Start InSight, auf die oft übersehene Erfahrung Italiens mit Terrorismus.

In Italien habe es seit 2014 zehn Terroranschläge oder islamistisch-motivierte Gewalttaten gegeben, sagte er. Über diese Vorfälle, die zumeist erfolglos blieben, sei jedoch in den Medien kaum berichtet worden. Dadurch entstand in der Öffentlichkeit ein falsches Gefühl der Immunität gegenüber Terrorismus.

Bertolotti erklärte auch, dass Italien potenziell weniger bedroht sei als Staaten wie Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich und Belgien. Diese seien aufgrund einer höheren Radikalisierung innerhalb muslimischer Gemeinschaften stärker betroffen.

Doch die Situation in Italien könne sich ändern. Dabei verwies Bertolotti auf die große Zahl italienischer Jugendlicher, die im Juni 2014 dem Aufruf des Islamischen Staates folgten, im Bürgerkrieg in Syrien zu kämpfen.

Unter Berufung auf den Terrorismusbericht seiner Organisation verwies Bertolotti auch auf einen interessanten Aspekt, der sich insbesondere in Frankreich herauskristallisiert habe: Die Zahl der Terroristen, die innerhalb weniger Tage oder Wochen nach ihrer Ankunft im jeweiligen Land Anschläge verübten, habe zugenommen. Die meisten dieser Personen seien aus Italien gekommen.

Bertolotti bestreitet zudem, dass die Bedrohung in Europa erst nach dem Moskauer Massaker gestiegen sind. Stattdessen sei sie gleichbleibend hoch.

Seiner Meinung nach gebe es ein Muster, bei dem auf größere terroristische Anschläge oft eine Reihe von sekundären, eher erfolglosen Anschlägen folgen. Diese Phasen würden durch die Aufmerksamkeit der Medien und die Nachahmung der Täter angeheizt und dauerten in der Regel etwa acht Tage.

Dem Wissenschaftler zufolge ist die Zahl der versuchten Terroranschläge in Europa, die sich in der Regel zwischen zehn und 15 pro Jahr bewegt, nicht zurückgegangen. Die Wirksamkeit und Medienaufmerksamkeit im Vergleich zu den Vorjahren hat aber deutlich abgenommen.

Dieser Trend habe den Islamischen Staat dazu veranlasst, sich nur zu den erfolgreichen Anschlägen zu bekennen, so Bertolotti.

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