Munitionsmangel: Tschechien fordert EU zum Kauf ausländischer Munition für Ukraine auf

"Wir als Tschechische Republik haben unsere Stimme hier in Brüssel erhoben, weil uns das Ergebnis wichtig ist. Uns geht es darum, dass die Ukraine genug Munition hat, um sich gegen die russische Aggression zu verteidigen", sagte der tschechische Außenminister Jan Lipavský (Bild) vor tschechischen Reportern. [EPA-EFE/JULIEN WARNAND]

Die Europäische Union schafft es nicht, die Ukraine rechtzeitig mit ausreichend Munition zu versorgen. Der tschechische Außenminister brachte deshalb am Wochenende den Kauf von nicht-europäischer Munition ins Spiel, was besonders in Frankreich umstritten ist.

Die EU-Mitgliedstaaten haben zugesagt, der Ukraine bis Ende März dieses Jahres eine Million Schuss Munition zu schicken. Die EU hat außerdem Unterstützungsprogramme gestartet, um gemeinsam in Europa produzierte Munition zu beschaffen und die Produktionskapazitäten zu erhöhen, da diese nicht ausreichen, um den ukrainischen Bedarf zu decken.

Trotz dieser Bemühungen werden bis zum Ablauf der Frist nur 524.000 Granaten an die Ukraine geliefert werden, sagte EU-Chefdiplomat Josep Borrell am Mittwoch. Tschechien fordert daher ein Umdenken und die Ausweitung der von der EU finanzierten Käufe auf ausländische Produktion.

„Wir als Tschechische Republik haben unsere Stimme hier in Brüssel erhoben, weil uns das Ergebnis wichtig ist“, sagte Lipavský vor tschechischen Reportern.

„Uns geht es darum, dass die Ukraine genug Munition hat, um sich gegen die russische Aggression zu verteidigen“, so der Außenminister.

Wie diplomatische Quellen gegenüber Euractiv bestätigten, hat Tschechien bereits beim Europäischen Rat am Donnerstag die Möglichkeit des Kaufs von Munition im Ausland ins Spiel gebracht.

„Wir werden sehen, wie erfolgreich wir sind, aber es erscheint mir sehr logisch, dass wenn etwas im Ausland gekauft werden kann, es auch mit europäischem Geld gekauft werden sollte“, fügte Lipavský hinzu. Die EU könnte zum Beispiel Munition aus Südkorea oder den USA kaufen.

Insbesondere Frankreich, wo die einheimische Rüstungsindustrie besonders geschützt wird, zögert jedoch, ausländische Munition mit EU-Geldern zu kaufen.

Paris versucht nun jedoch, die Munitionslieferungen an die Ukraine über andere Kanäle zu erhöhen. Mitte Januar riefen Frankreich und die USA die sogenannte „Artillerie-Koalition“ ins Leben, um ausreichend Artilleriewaffen und Munition für die Ukraine zu beschaffen.

„Der Munitionsmangel ist ein sehr reales und drängendes Problem, mit dem unsere Streitkräfte derzeit konfrontiert sind“, schrieb der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umerow auf X nach dem ersten Treffen der Artillerie-Koalition.

Er informierte die Koalition auch darüber, dass die russischen Streitkräfte entlang der Frontlinien fünfmal und an einigen Stellen sogar zehnmal mehr Granaten abfeuerten als die ukrainischen Streitkräfte.

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