Die Äußerungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin, dass F-16-Kampfjets legitime Ziele für Moskau seien – auch auf Flugplätzen in Drittländern – stellen eine Eskalation der Rhetorik dar, die zu einem Krieg führen könnte, fürchtet der schwedische Oberstleutnant und Militärexperte Joakim Paasikivi.
Am Mittwoch (27. März) hatte Putin erklärt, F-16-Kampfjets seien ein legitimes Ziel für Russland, wenn sie von Flugplätzen in Drittstaaten aus gegen russische Streitkräfte eingesetzt würden.
„Wenn sie von Flugplätzen in Drittländern aus eingesetzt werden, sind sie natürlich ein legitimes Ziel für uns, wo auch immer sie sich befinden“, wurde Putin von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS zitiert.
Da die in den USA hergestellten Kampfjets Atomwaffen tragen können, müsse Russland einen Abschuss „in Betracht ziehen.“
Für den schwedischen Oberstleutnant Joakim Paasikivi von der Stockholmer Hochschule für Verteidigung sei Putins Äußerung vor allem eine rhetorische Eskalation. Die Drohung sei jedoch sehr ernst zu nehmen.
„Wenn Putin einen Krieg mit der NATO will, dann fängt man ihn so an. Dann wird es ein dritter Weltkrieg“, sagte Paasikivi am Donnerstag gegenüber der schwedischen Presseagentur TT.
Die Tatsache, dass die F-16-Kampfjets mit Atomwaffen ausgerüstet werden können, passe gut in das russische Narrativ, das den Fokus auf den Westen als großen Aggressor lege.
„Für Putin ist es wichtig, dem heimischen Publikum den Westen ständig als die größte Bedrohung zu präsentieren. Die sogenannte Atombedrohung durch den Westen steht im Mittelpunkt des gesamten russischen Narrativs“, so Paasikivi.
Dem schwedischen Oberstleutnant zufolge befürchtet Putin, dass die F-16-Kampfjets, die bis zum Sommer in der Ukraine eintreffen sollen, die Kampfkraft der Ukraine erheblich steigern werden.
„Der Kreml ist etwas energischer geworden. Die gleichen Drohungen wurden schon in der Vergangenheit ausgesprochen, aber die F-16 so explizit als Angriffsziele im Westen zu bezeichnen, ist neu“, sagte Paasikivi. Er fügte hinzu, dass die Russen „sich gezwungen sehen, den Westen in Angst zu versetzen, damit er gehorcht.“
Laut Paaskivi wisse Russland, dass es einen Krieg gegen die NATO nicht gewinnen könne. Gleichzeitig gebe es aber für nichts eine Garantie.
„Russland hat den größten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg begonnen und führt ihn rücksichtslos und ohne die Gesetze des Krieges zu beachten. Wir können Russland nicht vertrauen“, sagte er.
Dänemark, die Niederlande, Norwegen und Belgien haben zugesagt, 45 F-16-Kampfjets an die Ukraine zu liefern. Bis Ende des Jahres sollen es 60 sein.
Westliche Verbündete bilden derzeit ukrainische Piloten für den Einsatz der Flugzeuge aus. Die ersten Piloten haben ihre Ausbildung Anfang des Monats abgeschlossen.

