Belgien sieht sich derzeit mit einem ernsten Medikamentenmangel konfrontiert, da laut der Febelco-Gruppe, Belgiens größtem Medikamentenlieferanten, insgesamt 1.239 Medikamente nicht verfügbar sind.
Die Zahl der fehlenden Medikamente ist höher als von PharmaStatut, einer Initiative der Föderalen Agentur für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte (FAMPH), bekannt gegeben:
Demnach waren in den letzten 30 Tagen 363 Medikamente nicht verfügbar, berichteten Het Nieuwsblad, De Standaard und Het Belang van Limburg am Dienstag (21. Februar).
Berücksichtigt man die Medikamente, die schon seit einiger Zeit nicht mehr verfügbar waren, so erreicht diese Zahl nach Angaben von Febelco 1.239, berichteten belgische Medien. Diese Zahlen seien allerdings deutlich höher als die von der Bundesarzneimittelagentur veröffentlichten.
In einem offenen Brief an die Apotheker sagt Febelco-CEO Olivier Delaere, er sei „besorgt über die Situation [Arzneimittelmangel], aber auch über die Art und Weise, wie sie [von den Bundesbehörden] kommuniziert wird.“
„Unserer Ansicht nach vermittelt PharmaStatut kein genaues Bild der Nichtverfügbarkeit von Medikamenten“, so Delaere weiter.
„Zählt man die Medikamente hinzu, die schon länger nicht mehr verfügbar sind, erhöht sich die Zahl auf 1.239. Das bedeutet, dass fast 15 Prozent nicht verfügbar sind“, so Delaere gegenüber der Presse.
Da die EU-Mitgliedstaaten die Preise individuell aushandeln, erklärte der Direktor auch, dass die Pharmaunternehmen größere Länder mit mehr Patienten und höheren Preisen bevorzugen, was in Belgien zu einer „künstlichen Verknappung“ führt.
In einer zwischen dem 14. November und dem 31. Dezember 2022 von der Pharmaceutical Group of the European Union durchgeführten Umfrage zum Thema Arzneimittelknappheit berichteten alle EU-Länder den Apotheker:innen vor Ort von Engpässen. 76 Prozent der Befragten gaben an, dass die Knappheit schlimmer sei als im Jahr 2021.
Etwa 79 Prozent der Befragten berichteten über Engpässe bei Antiinfektiva zur systemischen Anwendung, während 76 Prozent der Befragten Schwierigkeiten hatten, Arzneimittel für Atemwegserkrankungen zu erhalten. Andere Erkrankungen, darunter Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Erkrankungen, wurden ebenfalls hervorgehoben, berichtete Belga.
Die Sprecherin der FAMPH, Ann Eeckhout, unterstreicht jedoch, dass seit der Einführung von PharmaStatut im Jahr 2019 die Engpässe von 5 auf 3 Prozent gesunken sind.
Aber immer noch „gibt es derzeit etwa 20 [nicht verfügbare Arzneimittel, für die nicht sofort Alternativen verfügbar sind]. Acht davon sind immer noch nur begrenzt verfügbar“, sagte sie gegenüber der Presse.
Für diese Arzneimittel wird eine Arbeitsgruppe aus Fachleuten des FAMHP, des Nationalen Instituts für Kranken- und Invaliditätsversicherung und Expert:innen zusammentreten, um Empfehlungen für die Angehörigen der Gesundheitsberufe zu formulieren.
Außerdem ist vor einem Monat ein königlicher Erlass in Kraft getreten, der die Ausfuhr von Arzneimitteln vorübergehend einschränken kann, wenn deren Mangel in Belgien schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit hätte und wenn es keine anderen Arzneimittel mit der gleichen therapeutischen Wirkung gibt.
„Damit soll vermieden werden, dass Behandlungen mit manchmal lebenswichtigen Medikamenten unterbrochen werden“, sagte Eeckhout.
„Wir sind überrascht, dass der königliche Erlass, der im Januar von Gesundheitsminister Vandenbroucke erlassen wurde, als Wunderlösung angesehen wird“, so Delaere in dem offenen Brief.
Febelco schlägt vor, von der Industrie Transparenz und eine Bestandsgarantie zu fordern. Obendrein schlägt die Firma vor, gegen die Quotenpolitik der Industrie und für Importe vorzugehen, wie es einige andere europäische Länder tun.

