Rom spekuliert über die italienischen Kandidaten für wichtige EU-Posten, die nach den Europawahlen zu besetzen sind. Dabei taucht der Namen des ehemaligen Ministerpräsidenten Mario Draghi wie auch von Giorgia Melonis Schwager auf. Letzterer ist jedoch widerwillig.
Nach Informationen römischer Medien hat die Parteiführung der Fratelli d’Italia (FdI) Francesco Lollobrigida (FdI, EKR), den Landwirtschaftsminister und Schwager von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, für eine Rolle in Brüssel vorgeschlagen.
Meloni würde ihm demnach gerne einen Posten als Agrarkommissar geben. Doch anscheinend sträubt sich Lollobrigida, weil er befürchtet, dass Brüssel ihn auf lange Sicht von der Macht fernhalten und die EU-Führung ihn „im Stich lassen“ könnte.
Medien spekulieren, dass es sich dabei um einen verzweifelten Versuch Melonis handeln könnte, ihren unbequemen Schwager loszuwerden, ohne ihn völlig ins Abseits zu stellen.
Um die europäische Hypothese zu entkräften, hat Lollobrigida bereits angekündigt, dass sein Wunschkandidat für eine zentrale europäische Rolle der Europaabgeordnete und EKR-Co-Vorsitzende Nicola Procaccini ist.
Tajani: Draghi „kann alles tun“
Ein weiterer profilierter Italiener, dessen Name kursiert, ist Ex-Ministerpräsident Mario Draghi. Als ehemaliger EZB-Chef kennt sich Draghi in Europa gut aus und könnte die Präsidentschaft des Europäischen Rates oder der Europäischen Kommission anstreben.
„Ich schließe nichts aus, weil es so viele Namen gibt. Wir müssen abwarten, ob es eine Einigung geben wird […] es ist kein Land, das entscheidet“, kommentierte der Vorsitzende von Forza Italia (EVP), Antonio Tajani. Er fügte hinzu, er glaube, dass die EVP Gerüchten zufolge die Kandidatur von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorantreiben werde.
„Draghi kann alles tun, aber ich halte es für verfrüht, auf ihn zu zeigen und ihn mit anderen in Konflikt zu bringen […] Wie ich Draghi kenne, glaube ich nicht, dass er sich auf einen Wettbewerb einlassen will“, so Tajani weiter.
Sollte Lollobrigida nach Brüssel gehen und der Posten des Landwirtschaftsministers frei werden, könnte Meloni die Gelegenheit ergreifen, um eine Umbildung vorzunehmen. Denn sie scheint über das Verhalten einiger Minister enttäuscht zu sein: Adolfo Urso (Made in Italy), Gennaro Sangiuliano (Kultur), Santanchè (Tourismus).
Gerüchte sprechen auch von einer möglichen Kandidatur von Arianna Meloni, der Schwester von Meloni. Sie ist eine FdI-Loyalistin der ersten Stunde und jetzt Geschäftsführerin und Leiterin der Mitgliederverwaltung der Partei.

