Zehntausende Landwirte protestieren derzeit gegen den Import von Lebensmitteln, die fälschlicherweise als italienische Produkte etikettiert sind. Sie fordern die Politik auf, das Thema anzugehen und gegen die als italienisch getarnten Produkte vorzugehen.
Gestern und heute (8.-9. April) haben sich Landwirte an der italienisch-österreichischen Grenze versammelt. Sie kontrollierten gemeinsam mit der Polizei den Inhalt von Lastwagen, Kühlfahrzeugen und Tanklastzügen auf gefälschte Produkte.
„Der Brenner symbolisiert den Übergang der gefälschten Produkte Made in Italy, die unseren Markt überschwemmen, und von hier aus werden wir unseren Kampf für die Transparenz der Ursprungskennzeichnung, die ein Recht der europäischen Bürger ist, wieder aufnehmen“, erklärte der Präsident des Bauernverbandes Coldiretti, Ettore Prandini, während der Demonstration.
Das Treffen am Brenner markiert auch den Start einer Unterschriftenkampagne, die darauf abzielt, die falsche Darstellung von “Made in Italy“-Produkten zu beenden und die Ausweitung der Ursprungskennzeichnungspflicht auf alle in der EU gehandelten Lebensmittel zu fordern.
Dies ist das Hauptziel der Mobilisierung von Coldiretti am Brenner für einen Vorschlag der Europäischen Bürgerinitiative zur Transparenz der Lebensmittel auf unseren Tischen. Die Landwirte am Brenner fordern verstärkte Kontrollen, um Lebensmittelbetrug zu verhindern und nennen Beispiele wie ausländische Kartoffeln, die als italienische verkauft werden, oder gefälschte Brindisi-Artischocken aus Afrika und Saatöl, das in Restaurants als natives Olivenöl extra angeboten wird.
Stefano Corsi, außerordentlicher Professor für Agrarökonomie an der Universität Mailand, betonte gegenüber Euractiv die Legitimität von Coldirettis Protest, der darauf abzielt, die heimische Produktion vor unlauterem Wettbewerb zu schützen.
Corsi warnte allerdings vor übertriebenen protektionistischen Maßnahmen und wies auf die Risiken hin, die diese für die Handelsbilanzen, die heimische Industrie und die Exporte, die die italienische Wirtschaft gestärkt haben, mit sich bringen. Er betonte die Notwendigkeit, die globalen Märkte unter Einhaltung der Marktregeln zu navigieren, um mögliche Gegenreaktionen zu vermeiden.
Zudem ging Corsi auf das Problem der „italienisch klingenden“ Lebensmittel ein. Dabei handelt es sich um Lebensmittel, die die italienische Tradition imitieren, ohne rechtlichen Beschränkungen zu unterliegen, es sei denn, sie sind durch spezifische Vorschriften geschützt.
[Bearbeitet von Oliver Noyan]

