Ehemalige tschechische EU-Kommissare fordern Einführung des Euro

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Wenn die Tschechische Republik bei allen wichtigen Diskussionen über die künftige Entwicklung der EU präsent und relevant sein wolle, müsse sie den Euro einführen, sagte Pavel Telička, der von Mai bis November 2004 Kommissar war. [Shutterstock/Michaela Jilkova]

Die Tschechische Republik zögert mit den Schritten zur Einführung des Euro. Nun appellieren drei ehemaligen tschechischen EU-Kommissare, dass die Einführung notwendig sei, wenn das Land an den künftigen Entwicklungen der EU teilhaben wolle. Auch EU-Reformen wurden gefordert.

Die drei ehemaligen tschechischen EU-Kommissare Pavel Telička, Vladimír Špidla und Štefan Füle sprachen getrennt mit der tschechischen Nachrichtenagentur vor dem 20. Jahrestag des Beitritts der Tschechischen Republik zur EU am 1. Mai 2004.

Wenn die Tschechische Republik bei allen wichtigen Diskussionen über die künftige Entwicklung der EU präsent und relevant sein wolle, müsse sie den Euro einführen, sagte Telička, der von Mai bis November 2004 EU-Kommissar war.

Seiner Ansicht nach gebe es keine grundlegenden wirtschaftlichen Argumente gegen die Einführung des Euro. Viele Vertreter der derzeitigen Regierungsparteien seien sich der Notwendigkeit der Einführung des Euro durchaus bewusst, aber es fehle ihnen an Entschlossenheit und sie zeigten in dieser Hinsicht Schwäche, sagte er.

Wenn die Opposition bei den nächsten Wahlen Erfolg habe, werde sich die Einführung des Euro verzögern und die Tschechische Republik werde anfälliger werden, so Telička.

Füle, der von 2010 bis 2014 Kommissar war, erklärte, das Volk habe den Schritt zur Einführung des Euro im Referendum über den tschechischen EU-Beitritt beschlossen. „Aber die Politiker haben sich nicht beeilt und es nicht für nötig befunden, dass wir Teil der großen Entscheidungsprozesse über die weitere Entwicklung des Euro und der Eurozone sind“, sagte er.

Das Argument einiger tschechischer Politiker, der Euro sehe heute anders aus und funktioniere anders als zum Zeitpunkt des EU-Beitritts der Tschechischen Republik, sei nichts weiter als eine Ausrede, so Füle.

Füle zufolge müssen die Vorbereitung der Beitrittskandidaten auf die EU-Mitgliedschaft und die Vorbereitung der EU auf neue Mitglieder miteinander verknüpft werden beziehungsweise sich gegenseitig bedingen. Nur so könne die Glaubwürdigkeit des Erweiterungsprozesses sowohl in den Kandidaten- als auch in den Mitgliedstaaten gewährleistet werden.

Nach Ansicht von Špidla, ehemaliger Ministerpräsident und EU-Kommissar von November 2004 bis Februar 2010, sollte die EU wie jeder lebende Organismus reformiert werden, der auf Veränderungen und neue Situationen reagieren müsse.

[Bearbeitet von Kjeld Neubert]

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