In Berlin warben die europäischen Staats- und Regierungschefs auf dem G20-Gipfel für Afrika um die „Herzen und Köpfe“ Afrikas. Bundeskanzler Olaf Scholz rief zu engeren Handelsbeziehungen mit den afrikanischen Ländern auf und kündigte neue Investitionen für den Kontinent an.
Der unter der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 ins Leben gerufene G20-Gipfel „Compact with Africa“ zielt darauf ab, private Unternehmen aus G20-Staaten mit Investitionsprojekten in Afrika zu vernetzen.
Derzeit sind 13 afrikanische Länder an dem Programm beteiligt, weitere haben ihr Interesse an einem Beitritt bekundet.
Auf dem Gipfel in Berlin bekräftigte Scholz am Montag (20. November), dass Deutschland und die EU die Zusammenarbeit mit dem rohstoffreichen Kontinent vor allem im Bereich der nachhaltigen Energieerzeugung intensivieren wollen.
„Afrika ist unser Wunschpartner, wenn es darum geht, unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu intensivieren und den gemeinsamen Weg in eine klimaneutrale Zukunft zu gehen“, sagte er vor Journalisten.
Die Vertiefung der Beziehungen zu Afrika gehört zu den Prioritäten, die sich Scholz für seine Amtszeit gesetzt hat.
So hat Scholz bereits drei Sonderreisen auf den afrikanischen Kontinent unternommen. Das sind mehr Reisen als in die USA, nach Lateinamerika und in den Nahen Osten (ausgenommen internationale Gipfeltreffen). Außerdem hatte er sich vehement für den Beitritt der Afrikanischen Union zur G20 eingesetzt, was im September dann auch verwirklicht wurde.
Während Regierungsquellen betonen, dass der Bundeskanzler diese Annäherung an die afrikanischen Länder als Förderung des „Multilateralismus“ betrachtet, wäre der Kontinent auch ein attraktiver Partner, um Europas grünen Wandel und seine Suche nach neuen geopolitischen Verbündeten in einer multipolaren Welt zu unterstützen.
Die afrikanischen Länder sind reich an natürlichen Ressourcen wie Lithium und Wasserstoff, die der Schlüssel zu nachhaltigen Technologien und zur Energieerzeugung sind.
Allerdings hat Europa den idealen Einstieg verpasst, wenn es darum geht, in engere Beziehungen mit dem Kontinent zu investieren. China verfolgt bereits seit Jahrzehnten seine Geschäftsinteressen in der Region, während Länder wie Russland und die Türkei ebenfalls um Einfluss ringen.
„Dieser Pakt mit Afrika hinkt ein Jahrzehnt hinterher, das ist die Wahrheit“, sagte Bola Tinubu, der neu gewählte Präsident Nigerias, vor den Teilnehmern in Berlin.
„Europa braucht Afrika mehr als Afrika Europa“
Die Bundesregierung ist jedoch zuversichtlich, dass der selbsternannte kooperative Ansatz Europas das Angebot Chinas letztlich übertrumpfen und die Saat für eine engere Partnerschaft legen werde.
„Dieses Konzept der partnerschaftlichen Entwicklung steht ja nicht im luftleeren Raum, besteht nicht nur, um Arbeitsplätze in Deutschland zu fördern, sondern natürlich auch, weil wir über eine solche strategische Partnerschaft ‚the heart and minds in the Global South‘ gewinnen“, erklärte ein hoher Regierungsbeamter im Vorfeld des Gipfels gegenüber Journalisten.
Die europäischen Länder würden nicht nur „Rohstoffe aus dem Boden holen“, sondern auch die lokalen Produktions- und Verarbeitungskapazitäten stärken.
In Berlin betonte Scholz, dass die EU und die finanzielle Kraft, die sie im Rahmen ihrer Global Gateway-Investitionsinitiative bereitstellt, dabei eine wichtige Rolle spielen würden.
Deutschland werde zusätzlich vier Milliarden Euro in die Afrika-Europa-Initiative für grüne Energie investieren, kündigte er an.
Die Anwesenheit der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und des scheidenden niederländischen Premierministers Mark Rutte stärkte die Präsenz Europas.
Die Bemühungen wurden allgemein positiv aufgenommen und die afrikanischen Staats- und Regierungschefs betonten, dass der Kontinent „offen für Geschäfte“ sei.
Das Lob des Bundeskanzlers für das Potenzial Afrikas und der Aufruf zu Investitionen sei ein wichtiges Signal, sagte ein afrikanischer Diplomat gegenüber Euractiv, fügte aber hinzu: „Ich glaube, Europa braucht Afrika im Moment mehr als Afrika Europa.“
[Bearbeitet von Kjeld Neubert]

