Nachdem der Bundestag für die Legalisierung des Cannabiskonsums gestimmt hat, sind Gesundheitsexperten in Frankreich und in ganz Europa weiterhin geteilter Meinung. Man stellt unter anderem die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme zum Schutz der Verbraucher infrage.
Laut Informationen von Table.Media verzögert sich die Einführung des Gesetzes möglicherweise nun jedoch bis Oktober. Dies bestätigten mehrere Landesminister.
Mit Einführung des Gesetzes dürfen Menschen ab 18 Jahren in Deutschland bis zu 25 Gramm Cannabis für den Eigenbedarf besitzen. Sie müssen sich bei Cannabis Social Clubs versorgen, da der Verkauf von Cannabis in Tabakläden und Apotheken verboten ist.
Der THC-Gehalt, der Hauptwirkstoff von Cannabis, der für die psychotrope Wirkung verantwortlich ist, wird reguliert und darf nicht mehr als zehn Prozent betragen.
„Wir verfolgen zwei Ziele. Das erste Ziel ist die Bekämpfung des Schwarzmarktes. Das zweite Ziel ist die Verbesserung des Schutzes von Kindern und Jugendlichen“, fügte Lauterbach hinzu.
In Frankreich begrüßten Suchtverbände und Fachleute das neue deutsche Gesetz. „Das ist eine gute Sache. Aus der Sicht der öffentlichen Gesundheit müssen wir uns in Richtung Entkriminalisierung bewegen“, sagt Catherine Delorme, Vizepräsidentin der Fédération Addictions.
Die Legalisierung von Cannabis würde es ermöglichen, die Prävention zu fördern, den Zugang zu verschiedenen Produkten zu regeln und deren Qualität zu kontrollieren sowie gefährdete Gruppen wie Minderjährige zu schützen.
Diese Idee wird von der Fédération Addictions France geteilt, die der Meinung ist, dass „unsere derzeitige Politik, die auf der Unterdrückung der Konsumenten basiert, die öffentliche Gesundheit und die Solidarität schwächt.“
Nach Angaben der französischen Drogenbeobachtungsstelle (OFDT) gibt es in Frankreich 1,3 Millionen regelmäßige Drogenkonsumenten, darunter 850.000 tägliche Raucher.
In Europa sind die Franzosen nach den Griechen die zweitgrößten Cannabiskonsumenten, wie aus den 2021 veröffentlichten Zahlen der OFDT hervorgeht.
Die Forscher fanden heraus, dass 44,8 Prozent der Franzosen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert haben, verglichen mit 37,5 Prozent der Spanier und 38,4 Prozent der Dänen. In den Niederlanden, wo Cannabis frei erhältlich ist, liegt die Zahl bei 27,7 Prozent.
Legalisierung „verschlechtert“ die Auswirkungen auf die Gesundheit
Diese Begeisterung der französischen Ärzte wird jedoch nicht von der gesamten Ärzteschaft geteilt.
„Es ist erwiesen, dass Cannabis eine Droge ist, die süchtig macht und viele Gefahren birgt. Diese Risiken sind vor allem für Jugendliche erhöht“, sagte Dr. Ray Walley, Vizepräsident des Ständigen Ausschusses der Europäischen Ärzte (CPME), gegenüber Euractiv.
Cannabiskonsum kann die Entwicklung eines jungen Gehirns schädigen und bei Kindern und Jugendlichen zu größeren kognitiven Schwierigkeiten führen als bei Erwachsenen. Regelmäßiger Konsum begünstigt auch das Auftreten von Psychosen, Depressionen, Angstzuständen und Gedächtnisverlust.
„Die Entwicklungsprozesse des Gehirns sind im Alter von 25 Jahren noch nicht abgeschlossen. Die Schäden sind dauerhaft und halten ein Leben lang an“, warnt die Bundesärztekammer.
Statt einer Legalisierung fordert die Bundesärztekammer den Ausbau der Cannabisaufklärung und -prävention. „Die Politik hat die Pflicht, die Bürgerinnen und Bürger vor gesundheitlichen Schäden zu schützen. Die geplante Legalisierung von Cannabis würde jedoch das Gegenteil bewirken“, heißt es.
Auch französische Ärzte kämpfen für mehr Prävention und Schutz für junge Menschen. Sie argumentieren jedoch, dass die Legalisierung notwendig sei, um das Thema zu einem Thema der öffentlichen Gesundheit zu machen und somit von Informationskampagnen, Finanzmitteln und Aufklärungsprogrammen in Schulen zu profitieren.
CPME weist dieses Argument entschieden zurück und erklärt, dass „das Gewicht der derzeitigen Beweise darauf hindeutet, dass eine Legalisierung die gesundheitlichen Schäden in der Bevölkerung erhöhen würde“.
Stattdessen fordert der CPME die lokalen, nationalen und europäischen Gesundheitsbehörden auf, ihre Bemühungen auf die Überwachung zu konzentrieren, „um die Verfügbarkeit von Daten über die kurz- und langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen von Cannabis sicherzustellen.“
Keine europäische Gesetzgebung
Die Legalisierung von Cannabis ist Sache der Mitgliedsstaaten, nicht der EU. Lediglich eine unverbindliche Entschließung des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 2019 empfiehlt, europäische Regeln für therapeutisches und Freizeit-Cannabis aufzustellen.
„Gesetzliche Regeln würden dazu beitragen, die Verkaufsstellen zu kontrollieren und den Rückgriff auf den Schwarzmarkt einzuschränken. Sie würden auch dazu beitragen, Drogenmissbrauch und -abhängigkeit bei Minderjährigen und gefährdeten Gruppen zu verhindern“, heißt es darin.
Im Jahr 2021 wurden in Europa 97.000 Konsumenten wegen Problemen im Zusammenhang mit dem Cannabiskonsum behandelt.
Portugal hat seit 2001 alle Drogen entkriminalisiert. Laut der französischen Abgeordneten Caroline Janvier (Renaissance) ist der Cannabiskonsum in Portugal dreimal niedriger als in Frankreich.
„Es ist an der Zeit, auf ausländischen Initiativen aufzubauen und ein französisches Modell zu entwickeln, das auf Prävention und Schadensbegrenzung beruht“, so Addictions France.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald/Kjeld Neubert]




