Bulgarien und Griechenland wollen die wichtigen Verkehrsverbindungen beider Länder ausbauen. Dabei wolle man sich um Finanzmittel aus allen möglichen internationalen Quellen bemühen, einschließlich der EU und der NATO.
Anfang letzter Woche kündigte Bulgariens Verteidigungsminister Todor Tagarev an, dass das Land angesichts der Risiken der russischen Aggression in der Ukraine sechs Milliarden Euro in die zivile Infrastruktur investieren wird, die auch militärischen Zwecken dienen soll. Der Minister gab jedoch nicht an, wie das Land die Mittel aufbringen will.
Zu den Projekten gehört der Bau des Verkehrskorridors 8 zwischen dem albanischen Hafen Durres und Varna, der größten bulgarischen Stadt am Schwarzen Meer. Das andere Großprojekt ist der Bau einer Autobahn zwischen dem größten rumänischen Hafen Constanta und Thessaloniki, die durch die bulgarischen Häfen Varna und Burgas führen soll.
Diese Verkehrsverbindungen sind angesichts der geplanten Stationierung einer NATO-Brigade mit über 1.500 Soldaten in Bulgarien von zentraler Bedeutung für die Sicherung der Ostflanke.
Auf die Frage von Euractiv, ob die Möglichkeit bestehe, dass ein Teil der Gelder für die Verkehrsverbindungen von der EU oder der NATO zur Verfügung gestellt werde, verneinte die bulgarische Regierung diese Möglichkeit nicht. Sie fügte hinzu, dass Bulgarien und Griechenland im Rahmen einer Vereinbarung von gemeinsamem Interesse arbeiteten.
„Die bulgarische Regierung arbeitet an einem komplexen Abkommen mit Griechenland in Bereichen von gemeinsamem wirtschaftlichen Interesse. Sobald es abgeschlossen ist, werden alle möglichen Instrumente für die Finanzierung eingesetzt, da es sich um komplexe, groß angelegte und aus mehreren Komponenten bestehende Projekte handelt“, heißt es in der Antwort der bulgarischen Regierung an Euracitv.
Aufgrund des Krieges in der Ukraine ist der Straßenkorridor von der griechischen Stadt Thessaloniki über Kavala, Alexandroupolis, Burgas und Varna zum rumänischen Hafen Constanta besonders wichtig geworden. Nun gibt es Pläne, den Korridor bis nach Moldawien zu erweitern.
Letzte Woche erklärte der bulgarische Verteidigungschef Admiral Emil Eftimov, dass diese Straßen von zentraler Bedeutung für die schnelle Verlegung von NATO-Truppen sind. Nach den Informationen, die Euractiv erhalten hat, können die Projekte trotz ihrer strategischen Bedeutung nicht in weniger als sechs Jahren umgesetzt werden.
Ein Teil dieser Korridore ist die 113 Kilometer lange Schwarzmeer-Autobahn zwischen den bulgarischen Städten Varna und Burgas, die bis zum Beginn des Krieges in der Ukraine nicht als wichtiger europäischer Verkehrskorridor galt und keine Chance auf eine Finanzierung durch Brüssel hatte.
Für die Schwarzmeer-Autobahn, über die in Bulgarien bereits seit den 1970er Jahren gesprochen wird, liegen noch immer keine Bauunterlagen vor.
Im April 2024 soll ein Vertrag über die Erstellung einer Umweltverträglichkeitsprüfung abgeschlossen werden, teilte die bulgarische Agentur für Straßeninfrastruktur Euractiv mit.
Es wird erwartet, dass die Umweltverträglichkeitsprüfung im Jahr 2025 abgeschlossen sein wird. Wenn es keine rechtlichen Einwände gibt, könnte der Bau der Autobahn Ende 2025 beginnen.
Das andere große Projekt ist der Ausbau der Straße zwischen der rumänischen Grenze und Varna, die fast 90 km lang ist, und dann die Straße von der künftigen Schwarzmeer-Autobahn bis zur griechischen Grenze.
[Bearbeitet von Kjeld Neubert]

