Bulgarien: Prorussische und linke Parteien schüren Antisemitismus nach Hamas-Anschlag

Jüdische Organisationen berichteten von einer deutlichen Zunahme von Aggressionen und Hassreden gegen Juden in sozialen Netzwerken. Diese kommen aus dem linken Spektrum und sehr viel seltener aus dem rechten, wo antisemitische Symbole und Rhetorik gewöhnlich zu finden sind. [Shutterstock/hxdbzxy]

Die jüdischen Organisationen Shalom und B’nai B’rith werfen der extremen Linken und prorussischen Parteien in Bulgarien das Schüren von Antisemitismus im Nachgang des Hamas-Terroranschlags vom 7. Oktober vor. 

Jüdische Organisationen in Bulgarien berichten von einer deutlichen Zunahme von Aggressionen und Hassreden gegen Juden in sozialen Netzwerken. Diese kämen aus dem linken Spektrum und sehr viel seltener von Rechtsaußen, wo antisemitische Symbole und Rhetorik gewöhnlich zu finden sind.

„Seit dem 7. Oktober gibt es eine Explosion des linken Antisemitismus, in dem sich Antizionismus und Antiimperialismus mit Hass auf Westeuropa vermischen. Memes, Videos und Propaganda überschwemmen die sozialen Medien und vieles davon stammt aus prorussischen Quellen“, sagte B’nai B’rith-Vizepräsident für Europa Solomon Bali gegenüber Euractiv.

Laut Daten der letzten Volkszählung im Jahr 2021 bezeichnen sich in Bulgarien etwa 1.162 Menschen als Juden.

Antisemitismus wird von prorussischen Kreisen gepredigt

Die Beobachtungen des Geschäftsführers der jüdischen Organisation Shalom Maxim Delchev zeigen auch, dass „offener Antisemitismus von linken Gruppen und entsprechenden Social-Media-Profilen ausgeht, die Russland im Krieg in der Ukraine vehement unterstützen.“

„Sie bringen ihre Unterstützung für die Hamas und Palästina zum Ausdruck, was über das Erlaubte hinausgeht“, erklärte Delchev gegenüber Euractiv. Er ergänzte, dass es von den extremen Rechten weit weniger derartige Äußerungen gebe.

Im Juli erstattete Schalom Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen einer Collage mit dem ehemaligen Außenminister Solomon Passi, die über den offiziellen Telegrammkanal von Vazrazhdane, einer rechten, pro-russischen Partei, verbreitet wurde.

Passi ist darauf in gestreifter Gefängniskleidung abgebildet und wird von Soldaten in Nazi-Uniformen gewaltsam abgeführt. Die Aufschrift auf der Collage lautet: „Wenn ihr kein russisches Gas wollt, kommt und lasst euch von uns mit unserem versorgen.“

Die Staatsanwaltschaft der Stadt Sofia gab einen ausführlichen Bericht über die eingeleiteten Verfahren und Ermittlungen wegen der Verbreitung faschistischer Ideologie ab. Dabei ging es vor allem um Fälle, in denen Hakenkreuze auf Gebäudefassaden gemalt wurden, aber auch um Anzeigen gegen den Vorsitzenden von Vazrazhdane, Kostadin Kostadinov. In den letzten Jahren führte jedoch keiner der Fälle zu einem Gerichtsverfahren.

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