Bauernproteste: Kroatien könnte das nächste EU-Land sein

Die endgültige Entscheidung über die Organisation von Bauernprotesten in Kroatien soll Anfang nächster Woche vom Vorstand der kroatischen Landwirtschaftskammer getroffen werden, wie die kroatische Landwirtschaftskammer (HPK), der Dachverband der kroatischen Landwirte, am Dienstag (6. Februar) mitteilte. [Shutterstock/Gorloff-KV]

Die kroatischen Landwirte zeigen sich zunehmend frustriert über die „Auflagen“ der EU und der Verhandlungen zur Handelsliberalisierung mit den Mercosur-Staaten. Sie könnten sich deshalb bald den EU-weiten Protesten ihrer Kollegen anschließen.

Die endgültige Entscheidung über die Organisation von Bauernprotesten in Kroatien soll Anfang nächster Woche vom Vorstand der kroatischen Landwirtschaftskammer getroffen werden, wie die kroatische Landwirtschaftskammer (HPK), der Dachverband der kroatischen Landwirte, am Dienstag (6. Februar) mitteilte.

„Die HPK unterstützt die Proteste ihrer europäischen Kollegen und stimmt mit den meisten Forderungen überein, die Teil der Probleme der kroatischen Landwirte sind. Die HPK überlegt, ob sich auch die kroatischen Landwirte an den Protesten beteiligen werden. Die Entscheidung darüber wird von unseren Sektorkomitees getroffen, und dann werden wir dies in der Sitzung des Vorstands diskutieren, der die endgültige Entscheidung treffen wird“, heißt es in der Pressemitteilung der HPK.

Laut HPK-Präsident Mladen Jakopović haben in den letzten Tagen mehrere sektorale Ausschüsse der HPK ihre Sitzungen abgehalten. In diesen Sitzungen äußerten die Mitglieder ihren Wunsch, sich den Protesten ihrer europäischen Kollegen anzuschließen.

„Wir glauben, dass wir mit den Forderungen, die bei den Protesten in der EU diskutiert werden, übereinstimmen, und dass es sich um Probleme handelt, mit denen die gesamte EU konfrontiert ist“, sagte Jakopović.

„Nach der neuen GAP-[Strategie] sollen wir unter anderem alles, was wir tun, fotografieren. Es wird zum Beispiel von uns erwartet, dass wir Fotos von jedem Feldbesuch und allem, was wir dort tun, machen und Hunderte und Tausende von Bildern als Bedingung für den Erhalt von Unterstützung schicken, und wir wissen nicht einmal, ob wir sie bekommen werden“, sagte der ehemalige Präsident der HPK und jetzige Vorstand Mato Brlošić gegenüber Euractiv.

„Bis vor kurzem hieß es noch, dass Satelliten solche Dinge erledigen würden. Wie sollen die Landwirte das jetzt machen, das ist ja nicht ihre Aufgabe, vor allem nicht die älteren“, fügte er hinzu.

Er warnt auch vor den hohen Anforderungen, die die Umweltmaßnahmen der EU an die europäische Landwirtschaft stelle. Die europäischen Landwirte würden zunehmend daran gehindert, Pestizide und Herbizide zu verwenden, während gleichzeitig Produkte aus anderen Teilen der Welt importiert werden, in denen nicht die gleichen Kriterien gelten.

Die Landwirte sind auch wütend über die Verhandlungen der EU mit dem Mercosur über die Handelsliberalisierung.

Die europäischen und kroatischen Landwirte sind zudem besorgt über die massive Einfuhr von ukrainischem Getreide und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus dem Land in die Union.

Auch die HPK warnt vor all diesen Problemen. In der Pressemitteilung heißt es, das Abkommen mit dem Mercosur sei „für die meisten Landwirte in der EU inakzeptabel“. Die HPK fordert auch eine Überprüfung des Handelsabkommens der EU mit der Ukraine.

Brlošić sagte, dass die Proteste nicht in allen Ländern gleich seien. In einigen Ländern blockierten die Landwirte Autobahnen, in anderen Einkaufszentren, während in anderen Ländern Straßen und Ministerien blockiert wurden, oder die Proteste waren eine Kombination aus diesen Maßnahmen. Die Analyse der Proteste in anderen EU-Mitgliedsstaaten wird dem HPK-Vorstand vorgelegt, danach wird eine Entscheidung getroffen und bewertet, welches Modell für Kroatien am besten geeignet wäre, so der Gesprächspartner.

Die HPK ist sich bewusst, dass dieses Jahr ein Wahljahr ist, aber Brlošić behauptet, dass hinter den potenziellen Protesten keine politische Option steckt. Sollte sich die HPK jedoch dazu entschließen, sie zu starten, werden sie ein Ausdruck der Verärgerung der kroatischen Bauern über den Zustand der kroatischen und europäischen Landwirtschaft sein.

Neben den Wahlen zum Europäischen Parlament stehen in Kroatien in diesem Jahr noch zwei weitere Wahlzyklen an – Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, wobei noch nicht genau bekannt ist, wann diese stattfinden werden.

Außerdem haben die Landwirte in Kroatien erst vor kurzem ihren Aufstand gegen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest beendet. Die Proteste endeten Ende des Jahres 2023.

Sollten die Bauern wieder auf die Straße gehen, wäre dies der zweite Protest der kroatischen Landwirte innerhalb weniger Monate.

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren