Ursprünglich plante die tschechische Regierung, einen zusätzlichen Reaktor im Atomkraftwerk Dukovany zu bauen. Nun strebt man insgesamt vier neue Reaktoren an. Allerdings ohne der Beteiligung vom bisherigen favorisierten US-Energieunternehmen Westinghouse.
Mit dieser Entscheidung änderte die Tschechische Republik am Donnerstag (1. Februar) ihre ursprüngliche Ausschreibung und forderte die Bieter auf, ein verbindliches Angebot für den Bau von bis zu vier neuen Reaktoren abzugeben. Zwei davon sollten in Dukovany errichtet werden, während die anderen beiden in Temelín, dem zweiten bestehenden Kraftwerk Tschechiens, gebaut werden sollten.
„Der bisherige Ausschreibungsprozess hat gezeigt, dass wir durch die gleichzeitige Lieferung mehrerer Reaktoren einen Preisnachlass von bis zu einem Viertel für einen einzelnen Reaktor erzielen könnten. Wir haben daher beschlossen, die Bieter aufzufordern, verbindliche Angebote für die Lieferung von bis zu vier neuen Atomreaktoren abzugeben“, sagte der tschechische Ministerpräsident Petr Fiala (ODS/EKR).
„Auf der Grundlage dieser Angebote werden wir dann einen Anbieter auswählen und entscheiden, ob wir weitere Reaktoren bauen lassen“, sagte Fiala am Mittwoch nach der Regierungssitzung.
Eine weitere Änderung betrifft die drei an der Ausschreibung beteiligten Unternehmen. Das Kabinett wandte sich nur an das französische Unternehmen EDF und das südkoreanische Unternehmen KHNP, aber nicht an Westinghouse.
Nach Angaben der Regierung erfüllte das US-Angebot nicht die Ausschreibungsbedingungen.
Das Angebot von Westinghouse habe keine Angaben darüber enthalten, wer für die Qualität der Arbeiten verantwortlich sei, so die Regierung. Der tschechische Handels- und Industrieminister Jozef Síkela erklärte, das Angebot von Westinghouse sei nicht verbindlich und könne daher bei der Bewertung nicht berücksichtigt werden.
Die Nichterfüllung der Bedingungen durch Westinghouse ist eine Überraschung, da das Unternehmen zu den Favoriten gehörte und voraussichtlich Atomkraftwerke im benachbarten Polen bauen wird.
KNHP und EDF, die beiden im Rennen verbliebenen Unternehmen, haben bis zum 15. April Zeit, neue Angebote einzureichen, die dann von Tschechiens halbstaatlichem Energieunternehmen ČEZ bewertet werden. Letzteres wiederum muss der Regierung bis Ende Mai die Auswertung der Angebote für die vier Reaktorblöcke vorlegen.
Während der Gewinner der Ausschreibung bis Mitte 2024 feststehen soll, soll der erste geplante Reaktorblock im Jahr 2036 fertiggestellt sein, die anderen in Etappen bis 2050.
Während ČEZ angab, dass sich der Preis für einen Block auf bis zu 6,5 Milliarden Euro belaufen könnte, wird er nun voraussichtlich höher ausfallen, da die ursprüngliche Berechnung aus dem Jahr 2020 stammt und nicht die aktuellen Preise widerspiegelt. Wenn die Tschechische Republik den Bau von vier Reaktorblöcken bestätigt, wäre dies die größte Investition in der tschechischen Geschichte.
[Bearbeitet von Kjeld Neubert]


