Brexit: Der richtige Mann für den Job

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

Liberal leader Guy Verhofstadt [R] is not an active MEP [European Parliament]

Jean-Claude Juncker (l.) und Guy Verhofstadt [Foto: European Parliament]

Guy Verhofstadt wird für das EU-Parlament die Brexit-Verhandlungen mit der britischen Regierung leiten – eine gute Wahl, denn er hat es vermieden, in die apokalyptischen Töne rund um das Brexit-Votum einzustimmen. Ein Brief

Sehr geehrter Guy Verhofstadt,

die Konferenz der Präsidenten im Europäischen Parlament hat Sie am Donnerstag zum Verhandlungsführer des Hauses in den anstehenden Brexit-Verhandlungen ernannt. Obwohl ich mir ein Votum des Plenums in dieser Frage gewünscht hätte, halte ich die Entscheidung des Gremiums nichtsdestotrotz für eine gute Wahl.

Nach dem Brexit-Referendum im Juni haben Sie sehr deutlich gemacht, dass es für Großbritannien keine Rosinenpickerei in den Verhandlungen um den Austritt geben wird. Kein Zugang zum Binnenmarkt ohne Anerkennung seiner Regeln und Grundfreiheiten – so einfach ist es.

Zudem haben Sie es vermieden, in die apokalyptischen Töne rund um das Brexit-Votum einzustimmen und stattdessen die Chancen einer möglichen EU-Reform betont. „Warum sollten wir Angst haben vor dem Brexit? Wenn es passiert, können wir das zum Anlass nehmen, Europa neu zu gestalten. Ich habe aufgehört, diese EU zu verteidigen“, sagten Sie noch vor dem 23. Juni.

Ihre neue Rolle als Brexit-Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments sorgte jedoch nicht allerorten für Begeisterung. Der UKIP-Europaabgeordnete Nigel Farage, einer der prominentesten Befürworter des EU-Austritts, nannte Ihre Berufung eine „Beleidigung“ für das Vereinigte Königreich. „Sie hätten einfach keine Person wählen können, die noch negativer gegenüber unserem Vorhaben eingestellt ist. Er ist der Hohepriester des europäischen Föderalismus-Tempels. Und Menschen wie ich sind nicht würdig“, sagte Farage.

Obwohl sich Farage durch seinen schnellen Rücktritt nach dem Referendum der politischen Verantwortung entzogen hat, ist er mit seiner Skepsis gegenüber den Vertretern aus Brüssel und Straßburg weiterhin ein Sprachrohr für weite Teile Großbritanniens, die sich im Juni mehrheitlich für den EU-Austritt des Landes ausgesprochen haben.

Daher, Herr Verhofstadt, möchte ich betonen, wie wichtig auch Ihre Rolle in den kommenden Monaten für das künftige Verhältnis zwischen der EU und den britischen Bürgern sein wird. Es sollte nicht darum gehen, ein Exempel an den abtrünnigen Briten zu statuieren, sondern die Basis für eine faire, vertrauensvolle und beidseitig vorteilhafte Partnerschaft zwischen der EU und allen Teilen des Vereinigten Königreichs – England, Wales, Schottland und Nordirland – zu legen.

In diesem Sinne wünsche Ich Ihnen für die kommenden, langwierigen Verhandlungen Geduld, Geschick und einen klaren Kompass.

Hochachtungsvoll,

Marcel Wollscheid

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