Zweite Chance für Tsipras

Die Griechen geben Alexis Tsipras offenbar die von ihm erhoffte zweite Chance. [Foto: dpa]

In Griechenland zeichnet sich nach einem überraschend klaren Wahlsieg von Alexis Tsipras eine zügige Regierungsbildung ab. Die bisherige Koalition der linken Syriza und der rechten „Unabhängigen Griechen“ solle fortgeführt werden, erklärten beide Parteien noch am Wahlabend.

Tsipras sagte vor jubelnden Anhängern, seine Partei habe jetzt ein neues und klares Mandat für eine vierjährige Amtszeit. In Syriza-Kreisen hieß es, die Regierung solle binnen drei Tagen stehen. Zudem sollen die Vereinbarungen mit den europäischen Geldgebern eingehalten werden.

Die Syriza-Partei kommt nach Auszählung fast aller Stimmen auf 35,5 Prozent und – inklusive der 50 Bonus-Sitze für die stärkste Fraktion – auf 145 der 300 Sitze im Parlament. Die konservative Nea Dimokratia bekam 28,1 Prozent, was 75 Sitzen entspricht. Deren Chef räumte seine Wahlniederlage ein. Der wahrscheinliche Syriza-Koalitionspartner, die „Unabhängigen Griechen“, erhielt 3,7 Prozent der Stimmen und damit zehn Mandate. Um alleine regieren zu können, werden rund 38 Prozent der Stimmen benötigt. Drittstärkste Kraft ist die faschistische „Goldene Morgenröte“ mit sieben Prozent und 18 Sitzen. Insgesamt ziehen acht Parteien ins Parlament ein. Die Wahlbeteiligung lag bei 56,5 Prozent. Im Januar waren es noch 63,6 Prozent.

Ab Montagmorgen werde seine Partei Tsipras als Ministerpräsident eine Regierung bilden, kündigte der Chef der „Unabhängigen Griechen“, Panos Kammenos, an. Der Wahlsieg von Tsipras wäre damit deutlicher als erwartet. Umfragen hatten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ihm und Meimarakis hingedeutet. Eine große Koalition hatte Tsipras im Wahlkampf ausgeschlossen.

Bei der Abstimmung zeigten sich die Griechen aber wahlmüde. Die Beteiligung lag Angaben vom Innenministerium zufolge nur bei 55,4 Prozent, nach 63,6 Prozent bei der letzten Wahl im Januar.

Tsipras hat lange mit der Euro-Zone und dem IWF um die Auflagen für ein drittes Hilfsprogramm gerungen und sich von der Wahl Rückenwind erhofft. Das Kalkül geht offenbar auf. Der als Spargegner angetretene Tsipras hatte erst unter dem Druck einer Staatspleite Reform-Zusagen gemacht, um weitere Hilfen von 86 Milliarden Euro zu erhalten. Anschließend war er zurückgetreten – auch, um Gegner in den eigenen Reihen loszuwerden.

Griechenland hat derzeit nicht nur mit seinen Schulden und den zugesagten Reformen zu tun, sondern auch mit der Flüchtlingskrise. Es stünden harte Zeiten bevor, sagte Tsipras am Sonntagabend. Eine Besserung der Lage werde nicht durch Zauberei erreicht werden, wohl aber durch harte Arbeit. Die Vereinbarungen mit den Geldgebern würden umgesetzt und die Verhandlungen fortgeführt, hatte zuvor eine Parteisprecherin erklärt. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem gratulierte Tsipras und sagte, er wolle eng mit dem Land zusammenzuarbeiten und es bei seinen ehrgeizigen Reformvorhaben begleiten.