ZEW-Studie räumt mit Vorurteilen über Flüchtlinge auf

EU Europa Nachrichten

Ein modernes Einwanderungsland braucht ein ebensolches Einwanderungsgesetz – sagen die Grünen. [SpeedKingz/Shutterstock]

Eine neue Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) räumt mit verbreiteten Vorurteilen in der Flüchtlingsdebatte auf. Auf dem Arbeitsmarkt und bei der Kriminalität ließen sich keine erkennbaren Nachteile für die einheimische Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Flüchtlingszuzug feststellen, urteilen die Forscher.

Eine gemeinsame Studie des ZEW und der schottischen Universität Strathclyde, die die kurzfristigen Auswirkungen der Migration in Deutschland untersucht, räumt mit gängigen Vorurteilen über die angebliche Verdrängung von Einheimischen auf dem Arbeitsmarkt oder die steigende Kriminalität auf.

Die Autoren kommen in ihrer gerade veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass der Flüchtlingszuzug in Deutschland sich nur unwesentlich auf die Kriminalitätsrate auswirke. Auf dem Arbeitsmarkt finde zwar Verdrängung statt, die betreffe jedoch größtenteils andere Migranten, nicht Deutsche.

Die Studie basiert laut Angaben der Autoren auf den Datensätzen der Landesministerien von 2013 bis Mitte 2016, die jeweils Beobachtungen vor und nach der Flüchtlingskrise verzeichnen.

Höhere Arbeitslosigkeit – bei anderen Migranten

Laut Studie habe der Zuzug keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitslosenquote der einheimischen Bevölkerung. Auch in Regionen, die einen hohen Anteil von Neubürgern verzeichnen oder in denen eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge gebaut wurde, finde keine Verdrängung deutscher Arbeitskräfte statt. Vielmehr ging im Untersuchungszeitraum die Gesamtarbeitslosigkeit zurück, so die Studie.

Trotzdem gebe es eine Bevölkerungsgruppe in Deutschland, die auf dem Arbeitsmarkt von der Migration negativ betroffen sei: nichtdeutsche Beschäftigte. So seien im ersten Quartal 2016 in der deutschen Arbeitslosenstatistik 150.000 zusätzliche nichtdeutsche Arbeitssuchende verzeichnet. „Dies bedeutet, dass die durchschnittliche Arbeitslosenquote in dieser Gruppe um 1,2 Prozentpunkte steigt, wenn pro 100.000 Einwohner 387 Flüchtlinge hinzukommen“, schlussfolgert die Studie.

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Keine signifikanter Kriminalitätsanstieg

Bei der Kriminalität konnten die ZEW-Forscher keinen signifikanten Zuwachs im Zusammenhang mit dem Flüchtlingszuzug feststellen. „Mit Ausnahme von Verstößen gegen das Aufenthaltsrecht und die Asylgesetze“ besteht der ZEW-Studie zufolge „kein Zusammenhang zwischen der Anzahl der Flüchtlinge und der Anzahl der Straftaten in Deutschland“, so die Studie.

Allerdings gebe es einen Anstieg an Drogendelikten sowie beim Autofahren ohne Fahrerlaubnis an Orten mit einer Erstaufnahmeeinrichtung. Die Verdächtigen seien im Zusammenhang mit diesen Straftaten häufig Nichtdeutsche, auch wenn die Studie festhält, dass es sich hierbei um von den Polizeibehörden verdächtigte Personen handelt, nicht um rechtskräftig Verurteilte. Zudem sei der Anteil nichtdeutscher Personen – sollte sich der Verdacht als richtig erweisen – „sehr moderat“.

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Der durchschnittliche Anstieg der Drogenkriminalität in solchen Landkreisen pendle um 1,4 Prozent, die damit verbundenen Drogendelikte bezögen sich jedoch auf nichtdeutsche wie auf deutsche Straftäter.

Zuzug kein direkter Effekt auf AfD-Erfolge

Zuletzt wollten die ZEW-Analysten wissen, ob die Unterbringung von Flüchtlingen oder der Bau einer Erstaufnahmeeinrichtung die lokale Bevölkerung in die Arme von Parteien treibe, die einen harten Einwanderungskurs vertreten. Das Ergebnis fasst der ZEW-Ökonom und Mitautor der Studie, Martin Ungerer, in einer Pressemitteilung zusammen: „Im Vergleich der Landkreise zeigt sich: Allein ein stärkerer Zuzug von Migranten in einem Landkreis oder das Vorhandensein einer Erstaufnahmeeinrichtung dort ist noch kein ausschlaggebender Faktor für den Wahlerfolg der AfD.“

Stimmenzuwächse der Rechtspopulisten in Wahlbezirken mit höherem Anteil an Flüchtlingen seien letztlich nicht größer als in Bezirken mit weniger Flüchtlingen. „Unsere Ergebnisse zeigen allerdings auch, dass die Parteien CDU, SPD und GRÜNE größere Verluste in Landkreisen mit größerem Migrationszuwachs hinnehmen mussten“, so Ungerer. Diese Parteien verlören insgesamt 4,5 Prozent Stimmenanteil, wenn pro 100.000 Einwohner 387 Flüchtlinge hinzukommen.

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