Viehwirte auf Kriegsfuß mit dem Wolf

Viehwirte fordern, der Einsatz von Schusswaffen müsse in Situationen unmittelbarer Gefahr für das Vieh erlaubt sein. [Shutterstock]

Viehzüchter und Europaabgeordnete trafen sich diese Woche in Brüssel, um eine Änderung der EU-Politik zum Schutz der Wölfe zu fordern. Die Bauern sind verärgert über die Haltung der Europäischen Kommission, die ihrer Meinung nach das Wohl der Wölfe dem der Nutztiere überordnet. EURACTIV Frankreich berichtet.

Nationale Politiker, Europaabgeordnete und Vertreter von Jäger- und Bauernorganisationen trafen sich am vergangenen Dienstag im Europäischen Parlament, um über Wölfe zu sprechen.

Den europäischen Institutionen und insbesondere der Kommission wird von Seiten der Verbände oft vorgeworfen, eine dogmatische Haltung gegenüber der Wölfe einzunehmen. Sie sorge sich mehr um das Wohlergehen der Art als um das der Nutztiere – und würden manchmal gar den Wolf dem Menschen vorziehen, so die Anti-Wolf-Verbände.

„Das ist nicht wahr,“ betonte EU-Umweltkommissar Karmenu Vella, der versicherte, dass die Kommission das Thema aufmerksam verfolgt: „Wir können aber nicht einfach einen Zauberstab herausholen und alle Probleme im Zusammenhang mit dem Wolf auf einen Schlag auslöschen.“

Vella sieht die Probleme vor allem in Gebieten, in denen Wölfe seit Jahren verschwunden sind und die Landwirte im Zuge dessen ihre Schutz- und Vorsorgepraktiken aufgegeben haben. Er stellte auch heraus, dass die Staaten Maßnahmen zum Populations-Management einführen könnten, um das Problem zu lösen.

Der Kommissar erklärte den Teilnehmern des Treffens, die Kommission sei bereit, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um lokale Lösungen zu fördern und den Viehzüchtern zu helfen, die Anwesenheit von Wölfen zu bewältigen. Er verwies dabei auf Dutzende von Projekten, die auf dieses Thema abzielen, insbesondere im Rahmen des LIFE-Programms der Kommission.

Doch seine Worte kamen bei den meisten Teilnehmern nicht gut an. Die Spannung im Raum wurde noch explosiver, als Vella vorschlug, die Präsenz von Wölfen zur Förderung des lokalen Tourismus zu nutzen.

Als er den Raum nach seiner Rede verließ, wurde der Kommissar mit Buh-Rufen verabschiedet.

Der französische Europaabgeordnete José Bové (Grüne/EFA), der die Veranstaltung mitorganisiert hatte, begrüßte die „Aufrichtigkeit“ der Ausführungen des Kommissars, betonte aber, dass die von der Exekutive vorgeschlagenen Lösungen nicht an die Situation vor Ort angepasst seien.

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Wer ist der Hauptfeind – Der Wolf oder Brüssel?

Aus der Sicht der Viehwirte ist die Situation dramatisch: Es gebe immer mehr Wölfe, die immer mehr Schaden anrichten, und die Gegenmaßnahmen werden immer ineffektiver.

Ein Landwirt aus dem Département Ayveron in Frankreich beklagte die mangelnde Anerkennung für die Schwierigkeiten der Landwirte vor Ort: „Es ist immer die gleiche Leier: Zuerst wird alles geleugnet – uns wird gesagt, dass die Schäden nicht von Wölfen verursacht werden – und dann wird uns die Schuld zugeschoben. Dabei können wir niemals genug tun [um die Herden zu schützen]. Die Wahrheit ist, dass es kein harmonisches Zusammenleben gibt. Das ist ein Mythos, eine Illusion. Das Zusammenleben ist schmerzhaft und kann nur um den Preis eines Rückgangs unserer Viehbestände erreicht werden,“ sagte er unter Beifall der übrigen Teilnehmer.

Da sie nicht mehr gejagt werden dürfen, haben Wölfe kaum noch Angst vor Menschen, sagt auch Laurent Garde, Forscher am Forschungszentrum CERPAM. Er glaubt, dass „Wölfe lernen müssen, die Regeln der europäischen Agrarlandschaft zu respektieren“.

Inzwischen würden die Raubtiere „am helllichten Tag angreifen, in der Nähe von Häusern, in Anwesenheit von Menschen und Hunden…Für sie besteht kein Risiko mehr, sich den Herden zu nähern. Warum sich die Mühe machen, wilden Beutetieren nachzuhetzen, wenn man nur Hunde und Menschen austricksen muss, um die Pfoten auf einige Schafe zu bekommen?“

Viele Regionalbeamte glauben auch, dass die EU-Institutionen die Augen vor dem Problem verschließen und sich weigern, zuzugeben, dass aktives Populations-Management notwendig wäre. Stattdessen würde gebetsmühlenartig versucht, die Bauern dazu zu bringen, Wölfe in ihrer Nähe schlichtweg zu akzeptieren.

Wie die meisten Redner forderte Laurent Garde daher eine Herabstufung des Status des Wolfes als streng geschützte Art. Der Einsatz von Schusswaffen müsse in Situationen unmittelbarer Gefahr für das Vieh erlaubt sein. „Die Bauern sollten das Recht haben, ihre Herde zu schützen,“ so Garde. Der Wolf müsse „noch einmal von Neuem lernen, dass der Mensch und seine Herden für ihn eine Gefahr sind, die es zu vermeiden gilt.“

Für den EVP-Abgeordneten Michel Dantin, Mitveranstalter der Konferenz, ist das Ergebnis der Debatte klar: Es bleibt noch viel zu tun, um die Rechte der Tierhalter zu stärken.

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Tatsächlich ist der Wolf in Europa und vor allem in Frankreich immer noch eine gefährdete Spezies.

Die Teilnehmer der Debatte sind sich jedoch sicher, dass die Zahlen der Behörden, die die Wolfspopulation in der EU auf etwa 350 bis 400 Tiere beziffern, falsch sind. Bauernverbände argumentieren, dass es mehr als 700 Wölfe gebe und die Regierungen Maßnahmen ergreifen müssten, sobald die Population 500 Tiere übersteigt.

Marielle Chaumien vom WWF Frankreich fragt sich hingegen, worauf diese Argumente und Zahlen der Bauern basieren. Sie unterstreicht: „Die von der ONCFS (französische Jagd- und Wildtierbehörde) durchgeführten Populationszählungen sind gründlich und basieren auf einer von den zuständigen Behörden anerkannten Methodik.“

Naturschutzverbände wie der IFAW weisen darauf hin, dass es andere Möglichkeiten gibt, Herden zu schützen, beispielsweise das Aufstellen von Elektrozäunen oder die Ausbildung von Wachhunden. Die letztere Methode, die traditioneller ist, wird immer noch in Ländern angewendet, in denen Wölfe nie verschwunden sind, wie zum Beispiel auf dem Balkan.

„Wichtig ist, die Voraussetzungen in Gebieten, in denen Wölfe langsam zurückkehren, wie den Niederlanden und Belgien, richtig vorzubereiten,“ erklärt Robert Klees vom IFAW Deutschland. Die Organisation hat sich mit einem italienischen Unternehmen zusammengetan, um Spezialfutter für Schäferhunde zu produzieren.

Damit soll der Einsatz solcher Hunde durch Schafhirten gefördert werden.

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