Timmermans reagiert auf Thunberg-Kritik

EU-Klimakommissar Frans Timmermans hält die Kritik von Greta Thunberg für nicht gerechtfertigt: "Wir haben einfach einen anderen Ansatz." [EPA-EFE/OLIVIER HOSLET]

Die EU-Kommission will in ihrer Klimastrateige alle Treibhausgase, die für die globale Erwärmung verantwortlich sind (und nicht nur Kohlendioxid) betrachten, betonte der Vizepräsident der Kommission Frans Timmermans gestern. Damit reagierte er auf vorherige Kritik der Umweltaktivistin Greta Thunberg.

„Wir arbeiten auf Klimaneutralität im Jahr 2050 hin – bei der es nicht nur um CO2, sondern auch um andere Gase geht,“ erklärte Timmermans am Mittwoch.

Am Rande der offiziellen Präsentation des EU-Klimagesetzes stellte er gegenüber EURACTIV mit Blick auf die Kritik von Thunberg fest: „Wir haben also einfach einen anderen Ansatz.“

EU-Kommission legt Gesetzesvorhaben für Klimaneutralität 2050 vor

Schon länger hatte es sich die EU zum Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Nun wird es Gesetz.

Thunberg hatte zuvor kritisiert, die Brüsseler Institution habe es versäumt, ein bindendes CO2-Budget in ihr vorgeschlagenes Klimagesetz aufzunehmen. Damit hätte man darauf abzielen können, das EU-Ziel „Klimaneutralität bis 2050“ in einer harten Gesetzgebung zu verankern.

Zudem, so Thunberg, liege der Ziel-Zeitpunkt Mitte des Jahrhunderts zu weit in der Zukunft. Es müssten sofort drastische Maßnahmen ergriffen werden, um die Emissionen von Treibhausgasen deutlich zu reduzieren.

„Wir haben ein Budget von weniger als 340 Gt CO2, das weltweit noch emittiert werden darf,“ [um den durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen], schrieb Thunberg in einem gemeinsam mit 34 jungen KlimaaktivistInnen verfassten offenen Brief. Das verbleibende Budget werde aber schon „bald vollständig aufgebraucht sein“, warnen sie.

Das Ziel der EU von Netto-Null-Emissionen bis 2050 komme einer „Kapitulation“ gleich, so die junge Aktivistin weiter: „Das bedeutet Aufgeben. Wir brauchen nicht nur Ziele für 2030 oder 2050. Wir brauchen sie vor allem für 2020 und jeden folgenden Monat und jedes folgende Jahr.“

Greta Thunberg sieht erstes EU-Klimagesetz als "Kapitulation" an

Die Europäische Kommission hat am Mittwoch, den 4. März, offiziell ihr  erstes Klimagesetz vorgestellt. In dem Vorschlag ist festgeschrieben, dass die EU bis 2050 klimaneutral werden soll. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg kritisierte den Plan jedoch als „Kapitulation“.

Strategien für Kreislaufwirtschaft und Biodiversität

Timmermans wies diese Kritik zurück und erläuterte, die EU-Kommission habe einen anderen Ansatz gewählt. Man wolle alle Treibhausgase – einschließlich der Methanemissionen der Öl- und Gasindustrie, die ein viel höheres globales Erwärmungspotenzial als CO2 hätten – in Betracht ziehen.

„Wir wollen dies wirklich ganzheitlich betrachten und alle Gase, die für den Temperaturanstieg verantwortlich sind, berücksichtigen,“ so der niederländische Kommissar.

Timmermans kündigte auch an, die Kommission wolle nach weiteren Wegen suchen, um die Klimakrise zu bewältigen. So werde beispielsweise eine Strategie zur Biodiversität und neue Gesetze zum Abfallrecycling und zu Sekundärrohstoffen vorbereitet.

„Die Auswirkungen dessen, was wir mit der Kreislaufwirtschaft unternehmen wollen, sind viel größer als [Thunberg] erwartet,“ betonte er gegenüber EURACTIV. Tatsächlich werde die Kreislaufwirtschaft, einschließlich neuer Abfall- und Recyclinggesetze, „die Hälfte“ der Bemühungen um Netto-Null-Emissionen bis 2050 ausmachen, teilten auch andere EU-Beamte mit.

Die Kommission wird ihren neuen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft voraussichtlich am kommenden Dienstag (10. März) veröffentlichen.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

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