Studie: Junge Menschen vor allem in Südeuropa „Nesthocker“

Schon WG-Leben oder doch noch im Hotel Mama? Im europäischen Vergleich ziehen junge Menschen aus dem Süden später von Zuhause aus. [Kunstee/Flickr]

Mit Mitte 30 noch im „Hotel Mama“ leben – das gibt es besonders oft in Kroatien, wie eine Studie der europäischen Statistikbehörde Eurostat zeigt. Die Zahlen offenbaren ein starkes Nord-Süd-Gefälle – und dürften zum Teil auch in Zusammenhang mit der hohen Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern Südeuropas stehen.

Schnell flügge oder mit über 30 noch im „Hotel Mama“: Bei der Frage, wann junge Europäer das Elternhaus verlassen, gibt es ein starkes Nord-Süd-Gefälle.

Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag mitteilte, kehren Schweden im Schnitt bereits mit 19,6 Jahren ihrem elterlichen Heim den Rücken. Die Kroaten sind dagegen mit 31,9 Jahren Spitzenreiter bei den „Nesthockern“ – die Männer halten es dort im Durchschnitt sogar bis fast 34 bei Mama und Papa aus. Am zweitlängsten bleiben Slowaken mit 30,7 Jahren bei den Eltern, wie aus den Eurostat-Zahlen für das Jahr 2013 hervorgeht. Es folgen Malta (30,1 Jahre), Italien (29,9 Jahre), Griechenland (29,3 Jahre), Bulgarien (29,1 Jahre), Portugal (29,0 Jahre) und Spanien (28,9 Jahre).

In Deutschland kehren junge Menschen im Schnitt deutlich früher dem Elternhaus den Rücken: Sie ziehen mit 23,9 Jahren aus. Auch hier sind die Männer später dran als die Frauen (24,8 im Vergleich zu 22,9 Jahre). Im EU-Durchschnitt lag das Ausziehalter bei 26,1 Jahren.

Die Gründe für das Nesthocker-Phänomen sind vielfältig. Gerade in südlichen und osteuropäischen Ländern seien Haushalte mit mehreren Generationen traditionell stärker verbreitet, erklärte Eurostat in der Studie „Being young in Europe today“. Inwieweit auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen, ließen die Statistiker offen. Die meisten der südlichen Länder haben infolge der Krise aber eine hohe Jugendarbeitslosigkeit.