Strache & Co.: Applaus für Trump statt Shake-Hands

Im Weißen Haus herrscht Uneinigkeit in der Bewertung des Konfliktes mit Nordkorea. [Foto: Ed-Ni Photo/shutterstock]

US-Präsident Donald Trump hat eine Fan-Gemeinde in Europa: Die rechtspopulistischen Parteien. Eine Vorhut mit Strache an der Spitze reiste zur Angelobung nach Washington.

Zu einem Shake-Hands mit dem neu angelobten US-Präsidenten ist es nicht gekommen, aber trotzdem ließ es sich die FPÖ-Führung nicht nehmen, zu den Feierlichkeiten nach Washington persönlich anzureisen. Freitagvormittag applaudierte man daher von einer Tribüne vor dem Capitol der ersten Rede, die Donald Trump hielt. Sein „America first“ erinnerte die kleine Delegation dabei an einen Slogan, den FPÖ-Parteiobmann Heinz-Christian Strache gerne in seinen Reden verwendet: „Österreich zuerst.“

Via Facebook ließen jedenfalls Strache und sein Stellvertreter, der gescheiterte Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer der Öffentlichkeit wissen, dass sie „exzellente Gespräche in Washington DC“ geführt haben. Die Einladung in die USA wurde von Mitgliedern des Rechtsaußen-Flügels der Republikanischen Partei organisiert. So besteht schon seit längerem ein Kontakt zum Kongressabgeordneten Steve King, der jetzt auch ein Zusammentreffen mit Michele Bachmann, Vertreterin der Tea-Party-Bewegung und dem Gouverneur von Texas, Ted Cruz, organisierte. Über konkrete Inhalte verlautete bislang freilich nichts.

Auf diese warteten vielleicht die rund 1.000 Zuhörer bei einem Kongress, die EU-Parlamentsfraktion Europa der Freiheit und der Nationen (ENF) Samstag in Koblenz veranstaltet hatte. Der neue Mann im Weißen Haus ist für sie Vorbild und Ansporn zugleich. Aufgrund der USA-Reise musste sich Strache entschuldigen lassen, ließ aber durch seinen Vertreter den EU-Abgeordneten Harald Vilimsky wissen, dass Trump einen wesentlichen „Mosaikstein der globalen Veränderung“ darstellt. Marine Le Pen von der Front National ging noch einen Schritt weiter. „Wir erleben das Ende der Welt und die Geburt einer neuen“, sagte sie bei ihrem ersten Auftritt in Deutschland an der Seite von AfD-Chefin Frauke Petry.

Europa sollte Fürungsrolle übernehmen

Dazu passt eine Einschätzung des österreichischen Wirtschaftsforschers Karl Aiginger, der aus den bisherigen öffentlichen Äußerungen diesen Schluss zieht: „Wahrscheinlich ist Trumps größere Idee, Europa aufzuteilen“. Und zwar in zwei Sphären in denen Russland beziehungsweise die USA die Macht haben. Daher würde auch Trump den EU-Austritt weiterer Länder begrüßen. So sehr ihm die Rechtspopulisten applaudieren, sie übersehen dabei, dass es letztlich um ein „Nullsummenspiel“ geht, bei dem andere (so etwa Europa) verlieren, damit Amerika gewinnen kann.

Jetzt erst recht sieht Aiginger daher die Herausforderung an Europa kommen, „sein eigenes Modell in der Globalisierung durchzusetzen und möglichst viele Partner zu suchen“. Ja vielleicht sogar eine Führungsrolle in der Globalisierung zu übernehmen und diese „nach europäischen Werten zu gestalten, mit höheren sozialen und ökologischen Standards und einer besseren Technologie“.

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