Sexuelle Belästigung im Europaparlament

Mitarbeiterinnen im Europäischen Parlament haben über sexuelle Belästigungen berichtet. Dies sei leider wenig überraschend, meinen EU-Abgeordnete. [Photographee.eu]

Mitarbeiterinnen im Europäischen Parlament haben über sexuelle Übergriffe berichtet.

Die Frauen sprachen anonym über ihre Erfahrungen mit Sexismus und sexueller Belästigung, die ihnen innerhalb der Institution widerfahren sind unter anderem mit der englischen Zeitung Sunday Times.

„Die Berichte über Sexismus und sexuelle Belästigung und Gewalt in diesem Haus machen mich sprachlos und überraschen mich dennoch leider nicht“, sagt die SPD-Europaabgeordnete und Frauenrechtsexpertin Maria Noichl. „Denn wer glaubt, dass es Bereiche in der Gesellschaft gibt, in denen Frauen vor dieser Art der Manifestation männlicher Macht sicher sind, irrt sich gewaltig“.

Ausgelöst wurde die Debatte über Sexismus durch die #metoo-Kampagne, zu der sich die deutsche Familienministerin Katarina Barley (SPD) und die SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles geäußert hatten.

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Die Vorsitzende der CSU-Europagruppe und Co-Vorsitzende des CDU/CSU-Gruppe in der EVP-Fraktion Dr. Angelika Niebler erklärte gegenüber EURACTIV, dass sexuelle Belästigung kein Tabuthema sein darf und jeder einzelne Fall überprüft werden muss. „Allen Vorwürfen muss entschieden nachgegangen werden“. Die Abgeordnete warnte jedoch vor einem Generalverdacht. Sie selber sei schon 18 Jahre im Parlament tätig und bisher sind ihr selbst keine Vorwürfe bekannt. „Das Parlament steht für Chancengleichheit, deshalb müssen wir solchen Vorwürfen dreifach nachgehen, wenn wir unsere Glaubwürdigkeit nicht verlieren wollen“, so Niebler.

Eine Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) dass Gewalt gegen Frauen ein in der EU weit verbreiteter Menschenrechtsverstoß mit einer hohen Dunkelziffer ist.  Demnach hat eine von drei Frauen seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren, einer von fünf Frauen wurde nachgestellt („gestalkt“), und jede zweite Frau war mit einer oder mehreren Formen der sexuellen Belästigung konfrontiert.

Bei sexueller Belästigung sei Machtausübung immer ein wesentlicher Antrieb, erklärt Vorsitzende der Europa-SPD, Jens Geier. „Dass es in einem Machtapparat wie dem Europäischen Parlament sexuelle Belästigung gibt, ist also alles andere als überraschend. Denn es spiegelt die gesellschaftliche Wirklichkeit wider. Nur wenn Macht geteilt wird, zum Beispiel durch Quotenregelungen, gewöhnen sich Männer ab, sie auszunutzen“, so Geier.

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