Proteste gegen Gaza-Militäreinsatz: Frankreich verurteilt „anti-semitische“ Ausschreitungen

Eigentlich hatte die Pariser Polizei eine geplante Demonstration pro-palästinensischer Gruppen gegen den Militäreinsatz Israels im Gazastreifen verboten. Dennoch gingen am Sonntag hunderte Menschen im Pariser Vorort Sarcelles auf die Straßen. Foto: dpa

Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve hat ein entschlossenes Vorgehen gegen jegliche Art von Antisemitismus angekündigt, nachdem Proteste gegen den Konflikt im Gazastreifen am Sonntag zu Gewaltausbrüchen geführt hatten.

Demonstranten hatten sich vor zwei Synagogen Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. In dem von vielen Juden bewohnten Stadtbezirk Sarcelles brannte ein Geschäft für koschere Lebensmittel.

„Es ist inakzeptabel, wenn Synagogen angegriffen werden oder Geschäfte, nur weil sie von Juden geführt werden“, sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve am Montag bei einem Besuch in Sarcelles. „Nichts kann Antisemitismus rechtfertigen.“ Solche Gewaltakte würden bekämpft und bestraft. Er würde ebenso handeln, wenn Moscheen oder Kirchen angegriffen würden, sagte Cazeneuve.

Frankreich ist Heimat der größten jüdischen und muslimischen Bevölkerungsgruppen in Europa. Gewaltausbrüche im Nahen Osten führen daher oft zu Spannungen zwischen ihnen. Der Stadtbezirk Sarcelles wird in Frankreich wegen seiner vielen jüdischen Einwohner auch „Klein-Jerusalem“ genannt. Zugleich leben in Frankreich mehr Muslime als in jedem anderen EU-Land. Cazeneuve kam in dem Vorort sowohl mit Vertretern der jüdischen Gemeinde als auch mit dem Großrabbiner von Frankreich, Haïm Korsia, zusammen.

Medienberichten zufolge wurden am Rande der Demonstrationen in Sarcelles auch Autos angezündet und Läden geplündert. Viele Ziele der Gewalttäter und Plünderer hatten keinen jüdischen Hintergrund.

Europaweit demonstrierten am Wochenende viele tausend Menschen gegen die Offensive der israelischen Armee gegen die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen – auch in Deutschland. „Die Bundesregierung wird alles tun, um israelische Staatsbürger und Einrichtungen zu schützen“, sagt die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz am heutigen Montag in Berlin. 

Auch Unterstützer Israels kamen in mehreren Städten zu Solidaritäts-Kundgebungen zusammen. Seit Beginn der Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen am 8. Juli kamen dort mehr als 500 Menschen ums Leben. 484 Opfer waren Palästinenser, zumeist Zivilisten. Der UN-Sicherheitsrat forderte eine sofortige Waffenruhe.

Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UN) wird sich an diesem Mittwoch in einer Dringlichkeitssitzung mit dem Angriff Israels auf Stellungen der radikal-islamischen Hamas im Gaza-Streifen befassen.

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