„Ohne Deutschland gäbe es heute keinen Euro mehr“

Foto: I. Rasche / pixelio.de

Die deutschen Exportüberschüsse wachsen auch 2014 weiter. Doch was Brüssel nervt, freut die deutsche Außenwirtschaft. Und diese fühlt sich im Recht: „Wer behauptet, Deutschland lebe auf Kosten Europas, hat einfach nichts verstanden.“

„Ohne Deutschland mit seiner starken Wirtschaft gäbe es heute keinen Euro mehr“, wettert Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). „Einige unserer europäischen Nachbarländer wären längst in einer schweren Depression, denn sie leben davon, dass Deutschland ihre Exporte abnimmt und ihnen so den Weg auf die Weltmärkte ebnet“, so Börner weiter und stellt klar: „Wer also behauptet, Deutschland lebe auf Kosten Europas, hat einfach nichts verstanden.“

Anlass für die deutlichen Worte des BGA-Präsidenten ist die wiederholte Kritik nicht zuletzt aus Brüssel, wonach Deutschland aus Rücksicht auf die Stabilität der gesamten Euro-Zone seine Exportüberschüsse abbauen und gleichzeitig die Binnennachfrage ankurbeln sollte. Börner lehnt diese Sichtweise ab: Es sei nicht ungewöhnlich, dass einzelne Länder die Funktion als Exporthafen für andere übernähmen. In den USA gebe es auch große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesstaaten, die ebenfalls nur eine einzige Währung haben. „Dass es die Währungsunion weiterhin gibt, hilft uns allen“, ist Börner überzeugt.

Mehr Importe, aber auch mehr Exporte

Im laufenden Jahr soll das deutsche Exportwachstum um 3 Prozent auf knapp 1.130 Milliarden Euro zunehmen, schätzt der BGA. Gleichzeitig sollen die Importe um 2 Prozent auf etwas über 914 Milliarden Euro anwachsen. Der Außenhandelsüberschuss vergrößerte sich damit erneut, auf über 215 Milliarden Euro. 

Am heutigen Dienstag präsentierten das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und die Außenwirtschaftsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) nun die deutschen Top-Exportmärkte für das laufende Jahr: China, Ghana, Indonesien, Kolumbien, Südkorea und das Vereinigte Königreich. Diesen sechs Ländern gebühre aus Sicht der Bundesregierung die „verstärkte Aufmerksamkeit“ der Exportwirtschaft, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Euro-Zone verliert an Bedeutung

Auffällig ist, dass unter diesen Top-6 mit Großbritannien nur ein einziges EU-Mitglied gelistet ist. Tatsächlich belegen die Zahlen für 2013, dass die vielgescholtenen deutschen Exporte in die Euro-Länder rückläufig sind: Während der Außenhandelsüberschuss insgesamt weiter zunimmt, sind die Exporte in die EU seit 2011 um 13 Prozent zurückgegangen, auf 108 Milliarden Euro. Berücksichtigt man nur die Euro-Zone, beläuft sich der Rückgang sogar auf 29 Prozent.

„Umso entschiedener widerspreche ich der Kritik an den deutschen Exporten. Erst Recht, wenn Sie aus Brüssel kommt. Die Exportüberschüsse Deutschlands im Vergleich zum Rest der Euro-Staaten sind zuletzt so niedrig gewesen wie seit zehn Jahren nicht mehr“, sagt Börner.

Die Entwicklung bei den Außenhandelsüberschüssen sei im Wesentlichen nicht von einem Rückgang der Exporte getrieben, sondern von einem Anstieg bei den Importen, erklärt der BGA-Präsident. So seien die Importe aus den EU-Ländern in den letzten drei Jahren von 506 auf 515 Milliarden Euro gestiegen, während die Exporte von 630 auf 623 Milliarden Euro gesunken seien.

Der Anstieg der Nachfrage nach deutschen Erzeugnissen insgesamt liege am guten Preisleistungsverhältnis, ist Börner überzeugt. Außerdem habe man für Länder wie China die passenden Produkte im Angebot, zum Beispiel Maschinen, Fahrzeuge, Stahlträger und Brücken. Innovative Produkte aus Deutschland würden auch in Zukunft für globale Herausforderungen wie Umweltschutz, Klimawandel und Energiegewinnung gefragt sein.

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