Neue GAP-Zuschüsse: Verjüngungskur für Europas Landwirtschaft

Laut spanischem Jungbauernverband ASAJA müsse man dringend Maßnahmen für einen Generationenwandel in der Landwirtschaft ergreifen. [European Commission]

Die EU will mit der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für den Zeitraum 2014 bis 2020 zusätzliches Geld für fast 180.000 junge Bauern bereitstellen und damit der Vergreisung der europäischen Landwirtschaft entgegenwirken. EURACTIV Brüssel berichtet.

Eurostat, das statistische Amt der EU, veröffentlichte letzte Woche eine Studie: Den Ergebnissen zufolge machten junge EU-Landwirte unter 35 Jahren 2013 nur etwa sechs Prozent aller Betriebsleiter aus. Auf Nachfrage EURACTIVs hin erklärte Eurostat, der Bergriff „Betriebsleiter“ beziehe sich auf den „Entscheidungungsträger“ eines landwirtschaftlichen Betriebs.

Wenige Junglandwirte

Laut Eurostat-Umfrage hatten etwa 3,5 Millionen Agrarbetriebe von insgesamt 10,8 Millionen (31,1 Prozent) in der EU einen Betriebsleiter im Alter von 65 Jahren oder älter. In weiteren 2,6 Millionen (24,7 Prozent) Gutshöfen übernahmen 55- bis 64-Jährige die Leitung. Junge Landwirte unter 35 machten nur sechs Prozent aus.

Diese Zahl wirft Fragen zur langfristigen Funktionsfähigkeit des Sektors auf. Portugal und Rumänien verzeichneten mit 50,1 beziehungsweise 41,0 Prozent den höchsten Anteil an Betriebsleitern im Alter von 65 Jahren oder älter. Die niedrigsten Werte wiesen hingegen Deutschland (6,5 Prozent), Österreich (8,6 Prozent), Polen (9,6 Prozent), Finnland (10,2 Prozent), Frankreich (12,4 Prozent) und Luxemburg (14,4 Prozent) auf.

Mit Ausnahme Polens (12,1 Prozent) und Österreichs (10,9 Prozent) lag der Betriebsleiteranteil junger Landwirte unter 35 in allen EU-Mitgliedsstaaten bei weniger als zehn Prozent. Den geringsten Prozentsatz machten Junglandwirte unter den landwirtschaftlichen Betriebsleitern in Zypern (1,7 Prozent), Dänemark und Portugal (je 2,5 Prozent) sowie in den Niederlanden (3,1 Prozent) aus.

Herausforderung für die neue GAP

Die vergleichsweise niedrige Anzahl junger Landwirte ist für die EU keine Überraschung. Aus diesem Grund erhöhte man in der jüngsten GAP-Reform die Bandbreite an Maßnahmen zur Förderung von Junglandwirten. Die Mitgliedsstaaten haben nun die Möglichkeit, den Anteil junger Landwirte mithilfe eines Entwicklungsplans für den ländlichen Raum zu erhöhen – der zweiten Säule von GAP.

Daniel Rosario, Sprecher des Kommissionsbereichs Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, sagte EURACTIV, dass wahrscheinlich fast 180.000 Junglandwirte unter der neuen GAP im aktuellen Programmzeitraum bis 2020 Niederlassungsbeihilfen erhalten werden. „Zusätzlich dazu unterstützte die derzeitige GAP-Reform die Initiative der Kommission für einen 25-prozentigen Aufschlag auf die Direktzahlungen an junge Landwirte unter 40 für die ersten fünf Jahre nach Eintritt in den Sektor“, erklärte Rosario.

Drohendes Ende für europäische Kleinbauern?

Die Ergebnisse der Eurostat-Studie legen außerdem nahe, dass im Zeitraum von 2003 bis 2013 mehr als vier Millionen Bauernhöfe in der EU verschwanden. Die Gesamtnutzfläche blieb jedoch dieselbe. „Dies spiegelt sich in der landwirtschaftlichen Konzentration wider. Von 2003 bis 2013 ist die Nutzfläche pro Betrieb von 11,7 Hektar um durchschnittlich 38 Prozent auf 16,1 Hektar gestiegen“ so Eurostat. Fast 30 Prozent der EU-weiten bewirtschafteten Agrarflächen liegen in Frankreich und Spanien. Tschechien und Großbritannien verfügen über die größten Landwirtschaftsbetriebe. In Zypern kam es zum stärksten Rückgang der genutzten Agrarflächen (30,1 Prozent).

Der Abwärtstrend der Gesamtzahl landwirtschaftlicher Betriebe sei bereits seit vielen Jahren deutlich erkennbar, heißt es aus EU-Kreisen. In den ursprünglichen EU-15-Ländern betrug der Rückgang im Durchschnitt drei Prozent. In vielen osteuropäischen Ländern war er aufgrund der Umstrukturierungsmaßnahmen sogar noch etwas höher. „Die Anzahl der Landwirtschaftsbetriebe sinkt, weil die Bauernhöfe in der Regel immer größer werden. Wenn also ein Landwirt, meist altersbedingt, seine Fläche nicht länger bewirtschaftet, überträgt er diese entweder an einen anderen Gutshof oder man teilt das Land zwischen mehreren bestehenden Betrieben auf“, erklärte die EU-Quelle. So verringere sich die Gesamtzahl von Agrarbetrieben, während die Wettbewerbsfähigkeit insgesamt zunehme.

„Die landwirtschaftlich genutzte Fläche bleibt an sich relativ stabil. Die Verbesserungen in der Ernte und Produktionskapazität haben dazu geführt, dass der EU-Landwirtschaftssektor stetig seine Produktion erhöhen konnte“, betonte Rosario. „Die neue GAP umfasst viele Aspekte, die bei der weiteren Produktivitätssteigerung helfen und nachhaltige Produktionsmethoden noch verbessern können. So können wir die Herausforderung meistern, mit weniger Input mehr zu erzeugen.“

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