Merkel drängt auf weitere Lockdown-Verschärfung

Müde von den Lockdowns scheint nicht nur die deutsche Bevölkerung zu sein. Merkel wird in der nächsten Woche mit den Länderchefs über neue Maßnahmen beraten. [EPA-EFE/FILIP SINGER]

Die Kanzlerin und die Länderchefs wollen schon in der nächsten Woche über neue Maßnahmen beraten. Der Grund ist die Corona-Mutation B.1.1.7.

Dies ist ein Artikel unseres Medienpartners Der Tagesspiegel.

Deutschland steht vor einer Verschärfung und wochenlangen Verlängerung des Corona-Lockdowns. Wie der Tagesspiegel aus Regierungskreisen erfuhr, erwägen das Kanzleramt und mehrere Bundesländer, die Passagierzahl im Öffentlichen Verkehr deutlich runterzufahren, um die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen. „Das würde nicht nur Busse, U- und S-Bahnen betreffen, sondern auch die Deutsche Bahn“, hieß es. Auch über härtere Einschränkungen der Bewegungsfreiheit wird diskutiert.

Das Bundespresseamt wollte sich hierzu nicht äußern. Wie die dpa berichtet, wies Kanzlerin Merkel aber einen Bericht der „Bild“-Zeitung, wonach im Kanzleramt über die komplette Einstellung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs nachgedacht werde, nach Angaben mehrerer Teilnehmer in der Online-Sitzung des CDU-Präsidiums zurück. In einzelnen Bundesländern mit hohen Infektionszahlen wie Sachsen sind die Passagierzahlen weiterhin deutlich höher als während des ersten Lockdowns im Frühjahr – daher kommt auch der Frage nach Möglichkeiten für eine stärkere Begrenzung oder Entzerrung der Passagierzahlen eine zunehmende Bedeutung zu. Zudem wird geprüft, wie sich in Betrieben und Büros Ansteckungsrisiken stärker reduzieren lassen.

Coronavirus: Das Neueste aus Europa, den USA und dem Rest der Welt

Ein Überblick über unsere bisherige Coronavirus-Berichterstattung und aktuelle Nachrichten zum neuartigen COVID-19. Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

Merkel will schon kommende Woche und nicht erst wie geplant am 25. Januar mit den Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Wann genau, ist noch unklar. Eine Festlegung gebe es aber noch nicht. Bisher laufen die Lockdown-Maßnahmen bis 31. Januar, sie können gemäß des Infektionsschutzgesetzes immer um maximal vier Wochen verlängert werden.

Ein Grund für die Alarmstimmung sind die Virusmutationen, die deutlich ansteckender sein sollen – deren Ausbreitung in Deutschland wird aufgrund bisher kaum durchgeführter Laboruntersuchungen, als „Black Box“ beschrieben. Es gibt also bisher keine konkrete Datenlage, dennoch drängen Kanzlerin Angela Merkel und Kanzleramtschef Helge Braun (beide CDU) auf Verschärfungen. Sie seien „extrem besorgt“ wegen der Mutation, vor allem seit in Irland die Infektionszahlen außer Kontrolle geraten sind, hieß es. Die zunächst in Großbritannien festgestellte Variante B.1.1.7, soll rund 40 Prozent ansteckender sein. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat ins Spiel gebracht, auch über Betriebsschließungen nachzudenken.

Corona-Impfungen: "Der Impfschutz wird länger anhalten"

Wie sicher sind die Corona-Impfungen mit BioNtech/Pfizer oder Moderna? Was müssen Schwangere oder Allergiker beachten? Paul-Ehrlich-Instituts-Präsident Klaus Cichutek gibt im exklusiven Deutsche Welle-Interview Antworten.

Erwartet wird eine Verlängerung des Lockdowns und Verschärfungen, ob und wie weit sie auch den öffentlichen Verkehr betreffen, ist nach den widersprüchlichen Informationen die spannende Frage. Allerdings ist bisher völlig unklar, wie so etwas funktionieren könnte, da etwa Pflegekräfte und andere Bedienstete in sogenannten systemrelevanten Berufen für den Arbeitsweg auf Busse und Bahnen angewiesen sind. Bayern hat als ersten Schritt am kommenden Montag in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken erlassen, die Infektionsrisiken stärker mindern als Alltagsmasken.

Mehrere Ministerpräsidenten wie Thüringens Bodo Ramelow (Linke) unterstützen Verschärfungen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hält es für notwendig, als erstes die Kontaktregeln zu verschärfen. „Alle Modelle sind sich einig, dass das massiver und effektiver passieren muss“, sagte Dirk Brockmann, Epidemiologe am RKI. „Damit wir in eine Phase kommen, in der die Inzidenz substanziell und schnell runtergeht.“ RKI-Präsident Lothar Wieler betonte, dass das Leben in Deutschland momentan noch zu normal sei: „Für mich ist das kein vollständiger Lockdown.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier plant für Freitag mit den Spitzen von Arbeitgebern und Gewerkschaften einen Appell zur stärkeren Nutzung des Homeoffice.

Was tun gegen die zu geringe Impfbereitschaft?

Eine Dosis Unsicherheit: Impfen ist der Weg aus der Pandemie – aber viele zögern. Die Zurückhaltung von Ärzten und Pflegern verwundert. Wie können die Zweifel beseitigt werden?

Klar ist bereits, dass in Berlin Theater- und Opernhäuser bis Ostern geschlossen bleiben. Darauf habe man sich bei einer Besprechung mit Kultursenator Klaus Lederer (Linke) verständigt, sagte der Intendant des Berliner Ensembles, Oliver Reese, dem RBB.

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN