Mehrheit der Deutschen lehnt Einwanderung aus Nicht-EU-Ländern ab

8025828211_b657a60065_z.jpg [© European Commission DG ECHO (CC BY-SA 2.0)]

Der Umgang mit Einwanderung ist aus Sicht der Deutschen derzeit die wichtigste Herausforderung für die EU. Die Mehrheit der Bundesbürger lehnt Einwanderer aus Nicht-EU-Ländern ab.

In der am Donnerstag veröffentlichen nationalen Ausgabe der Meinungsumfrage „Eurobarometer“ geben 37 Prozent der befragten Deutschen an, dass Migration die größte Herausforderung  für die EU und für Deutschland ist. Nur in Großbritannien (38 Prozent) und in Malta (57 Prozent) sind die Werte höher. In den meisten Mitgliedsländern werden die wirtschaftliche Lage (33 Prozent) und die Arbeitslosigkeit (29 Prozent) als die größten europaweiten Probleme gesehen.

Der Einwanderung aus Drittstaaten stehen nur 29 Prozent der Deutschen positiv gegenüber. 61 Prozent der Deutschen lehnen die Einwanderung von außerhalb der EU ab. Eine relative Mehrheit (45 Prozent) ist dafür, illegale Einwanderung von außerhalb der EU auf EU-Ebene und nationaler Ebene gleichzeitig zu bekämpfen. Zu dieser Einstellung passt auch die Wahrnehmung einer wachsender Anzahl an Befragten in Deutschland (29 Prozent) die das Gefühl haben, dass es an den Außengrenzen der EU zu wenig Kontrollen gäbe.

Die Bundesbürger sind mit ihrer Haltung etwas kritischer als der Durchschnitt aller befragten Europäer, von denen 57 Prozent Einwanderer aus Drittstaaten ablehnen. Höher als in Deutschland ist die Ablehnung etwa in Italien (75 Prozent), Lettland (79) oder in der Slowakei (74).

„Das Thema Migration ist brisanter geworden und hat die Mitte der Gesellschaft erreicht“, sagte Richard Kühnel, Vertreter der EU-Kommission in Deutschland. Bessere Integration von Zuwanderern aus Drittländern sei eine gemeinsame Aufgabe. Auch der Schutz von Flüchtlingen, die über das Mittelmeer in die EU kommen, müsse verbessert werden.

Die Hälfte der Befragten Deutschen (50 Prozent) begrüßt hingegen die Einwanderung von Menschen aus anderen EU-Mitgliedstaaten. 76 Prozent der Deutschen finden es gut, dass jeder EU-Bürger in jedem EU-Land leben kann. 76 Prozent der Deutschen halten es für eine gute Sache, dass jeder EU-Bürger im Land seiner Wahl arbeiten darf.  

Deutschland zieht unterdessen immer mehr Zuwanderer an – vor allem aus Osteuropa. Im ersten Halbjahr 2014 zogen 667.000 Menschen in die Bundesrepublik. Das seien 112.000 oder 20 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Gleichzeitig verließen 427.000 Personen Deutschland. Die Zahl der Zuzüge übertraf die der Wegzüge damit um 240.000.

„Die meisten ausländischen Zugezogenen stammten aus Europa“, erklärten die Statistiker. Nummer eins ist hier Rumänien (98.000), gefolgt von Polen (96.000) und Bulgarien (38.000). „In den Fällen von Rumänien und Bulgarien kann als eine der Ursachen die ab 2014 geltende vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit angesehen werden, die sieben Jahre nach dem EU-Beitritt der beiden Staaten in Kraft getreten war“, so das Statistikamt. Unter den nicht-europäischen Staaten nahm die Zuwanderung aus dem Bürgerkriegsland Syrien besonders stark zu – und zwar um 242 Prozent auf 22.000.

Wegen der Schulden- und Wirtschaftskrise kommen auch viele Einwohner aus einigen südlichen Euro-Ländern nach Deutschland. Der Zuzug aus Italien erhöhte sich um 28 Prozent, der aus Spanien um ein Prozent. Dagegen nahm die Zuwanderung aus Griechenland um sieben Prozent ab. Auch aus Bosnien und Herzegowina sowie aus Serbien kamen mehr Menschen hierher, was „zum Teil mit der gestiegenen Zahl von Asylbewerbern aus diesen Ländern zusammenhängen dürfte“.

Einer Prognose des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zufolge wird die Zahl der Asylanträge im Vergleich zu 2014 um 50 Prozent auf 300.000 steigen. Darunter seien 250.000 Erst- und 50.000 Folgeanträge, zitierte eine Sprecherin des Bundesamtes am Donnerstag aus der Prognose, die an die Bundesländer verschickt worden sei. Schon im vergangenen Jahr verzeichnete die Bundesrepublik mit 203.000 Asylanträgen die vierthöchste Zahl seit ihrem Bestehen. Zugleich griffen die Behörden härter durch: 10.884 Menschen wurden abgeschoben – so viele wie seit acht Jahren nicht mehr.

Sorge bereiten den Behörden vor allem die zunehmenden Einreisen von Menschen aus dem Kosovo, die oft von Schleusern hergebracht werden. Bund und Länder sind sich einig, die Anträge von Kosovaren innerhalb von zwei Wochen zu bearbeiten. Auch soll verstärkt von Abschiebungen Gebrauch gemacht werden.

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