Kroatien will in sieben Jahren den Euro einführen

Kroatiens Premierminister Andrej Plenković will Kroation zum Euro führen. [Julien Warnand/EPA]

Das neueste EU-Mitglied Kroatien will innerhalb der nächsten sieben bis acht Jahre den Euro einführen, kündigte Premierminister Andrej Plenković am Montag an.

„Wir haben zwei Hauptziele: Erstens, Teil des Schengenraums werden – oder eher 2019 bereit sein, dafür die politische Entscheidung zu treffen – und zweitens, der Eurozone beitreten,“ sagte Plenković auf einer Konferenz mit dem passenden Titel „Strategy of euro adoption in Croatia“.

Die staatliche Nachrichtenagentur Hina zitierte Plenković weiter: „Wir wollen uns nicht auf ein bestimmtes Datum festlegen. Wir glauben aber, dass es realistisch ist, ab 2020 die Arbeit dafür aufzunehmen. Dann hat Kroatien die Ratspräsidentschaft inne und wir wollen bis dahin Teil des WKM II sein.“

WKM steht für „Wecheselkursmechanismus“, ein System, das in Ländern, die der Eurozone beitreten wollen, für Währungsstabilität sorgen soll. Vor Einführung der Gemeinschaftswährung sollen diese Länder zunächst mindestens zwei Jahre unter dem WKM-System wirtschaften.

Tschechen wollen verstärkte Integration, aber keinen Euro

Die Tschechische Republik möchte ein aktives Mitglied in „Kerneuropa“ sein, aber nicht den Euro übernehmen.

Der ehemalige MEP Plenković setzte das Ziel, „innerhalb von ein bis zwei Legislaturperioden”, also sieben bis acht Jahren, den Euro einzuführen. Er machte deutlich, dass Kroatien keine Bedenken gegen die Einführung habe: „Wir haben mit unserem EU-Beitritt auch ‚Ja‘ zur Eurozone gesagt. Wir sind noch nicht am Ziel, weil wir noch nicht alle Kriterien erfüllt haben – und nicht, weil der politische Wille fehlt.“

Die derzeitige mitte-rechts Regierung wurde 2016, drei Jahre nach dem kroatischen EU-Beitritt, gewählt. Das Land an der Adria ist heute nach wie vor eines der ärmsten Mitglieder. Die Wirtschaft schrumpfte von 2008 bis 2015 konstant, hat sich in den vergangenen zwei Jahren allerdings leicht erholt.

Die kroatische Zentralbank verfolgt für die Landeswährung Kuna weiterhin eine Politik des strikt kontrollierten Floatens. So waren die Wechselkursschwankungen dieses Jahr gering und die Bank schritt auf dem lokalen Währungsmarkt ein, wenn sich schärfere Veränderungen ankündigten.

Die größte Herausforderung auf dem Weg zum Euro wird es wohl sein, die Staatsschulden auf unter 60 Prozent des BIP zu drücken. Dieses Beitrittskriterium wird mit derzeit knapp über 80 Prozent noch deutlich verfehlt.

Dazu erklärte Plenković: „Unser Ziel ist es, die Staatsschulden bis zum Jahr 2020 auf 72 Prozent zu verringern…Wir verfolgen eine groß angelegte Haushaltskonsolidierung. Dieses Jahr wird das Haushaltsloch sogar noch geringer sein als letztes Jahr, als es bei 0,9 Prozent des BIP lag.“

Von den 13 neuen Mitgliedern, die der EU seit 2004 beigetreten sind, sind die Tschechische Republik, Polen, Ungarn, Kroatien, Rumänien und Bulgarien bis heute bei ihren nationalen Währungen geblieben und haben den Euro nicht eingeführt.

"Kein zweites Griechenland": Polens Nationalkonservative gegen Euro-Einführung

Die polnische Opposition will im Fall eines Sieges bei den Wahlen im Herbst die geplante Euro-Einführung in dem Land auf Eis legen.