Korruptionsvorwürfe: Slowakischer Geheimdienstchef festgenommen

Dem SIS-Chef wird Korruption vorgeworfen. [EPA-EFE/STEPHANIE LECOCQ]

Das slowakische Nationale Kriminalamt (NAKA) hat gestern Vladimír Pčolinský, den Chef des Nachrichtendienstes SIS, wegen Korruptionsverdachts festgenommen.

Die Tageszeitung Denník N berichtet, Präsidentin Zuzana Čaputová habe Pčolinský vorübergehend von seinem Posten suspendiert, da die ihm vorgeworfenen Taten „angeblich in direktem Zusammenhang mit der Ausübung seiner Funktion als Direktor des SIS begangen wurden“.

In einer offiziellen Erklärung des Präsidialamtes heißt es weiter: „Seine weitere Tätigkeit [beim SIS] wäre unter diesen Umständen untragbar.“

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Pčolinský wird verdächtigt, von Zoroslav Kollár, einem einflussreichen Geschäftsmann, der seinerseits im Oktober 2020 verhaftet wurde, ein Bestechungsgeld angenommen zu haben. Im Gegensatz dafür sollte Pčolinský die SIS-Ermittlungen gegen Kollár einstellen.

Eine der Personen, die Pčolinský Korruption vorwerfen, ist sein ehemaliger Stellvertreter Boris Beňa, der ihm das Geld übergeben haben soll, so die Ermittler. Beňa wurde ebenfalls vor einigen Monaten wegen Korruption verhaftet und kooperiert inzwischen mit der Polizei.

Der nun ehemalige SIS-Chef Pčolinský war von der rechtskonservativen Partei Sme Rodina (Wir sind eine Familie) im April 2020 nominiert worden. Dies könnte die Partei nun in eine schlechtere Position während der aktuellen Verhandlungen aufgrund der Koalitionskrise bringen.

Pčolinský beteuert seinerseits, er sei unschuldig. Seine Anwältin Eva Mišíková zeigte sich nach einer ersten Vernehmung zuversichtlich, dass seine Unschuld schon bald bewiesen werden könne.

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