Kein Beweis für russische Herkunft von Nervengift

Das südenglische Salisbury ist zum Synonym für den Nervengiftanschlag geworden. [shutterstock]

Das Forschungszentrum des britischen Verteidigungsministeriums hat nach eigenen Angaben keine Beweise dafür gefunden, dass das bei dem Anschlag auf einen russischen Ex-Doppelagenten verwendete Nervengift in Russland hergestellt wurde.

Der Hauptverdächtige war schnell ausgemacht: Russland. Die britische Regierung regierte scharf und verwies zahlreiche russische Diplomaten des Landes. Zahlreiche westliche Länder schlossen sich an. Auch internationale Organisationen wie die EU und die NATO übernahmen die britische Position. Es gebe keine andere logische Erklärung hieß es unisono.

Der Pferdefuß: Russland bestreitet, hinter dem Anschlag zu stehen und Beweise für die britische Position gibt es bis heute nicht. Auch die Untersuchung des Vorfalls durch das Forschungszentrum des britischen Verteidigungsministeriums konnte diese nicht liefern.

Der Fall Skripal – Lackmustest für europäischen Faktencheck

Solidarität innerhalb der EU ist unverzichtbar, auch und gerade, wenn in einem EU Mitgliedsland verbotene Chemiewaffen gegen Menschen gerichtet werden. Das macht den Fall Skripal zu einer europäischen Angelegenheit, meint Petra Erler.

“Wir haben seinen genauen Ursprung nicht identifiziert”, sagte der Leiter des Labors, Gary Aitkenhead, am gestrigen Dienstag gegenüber dem TV-Sender Sky News mit Bezug auf die Substanz, mit der Skripal und seine Tochter vergiftet wurden. Die Wissenschaftler hätten zwar festgestellt, dass es sich um das Präparat Nowitschok gehandelt habe, ein zur militärischen Verwendung entwickeltes Nervengift. Diese Informationen hätten sie an die Regierung weitergegeben, die dann “unter Verwendung anderer Quellen die Schlussfolgerungen zusammensetzte, zu denen man gelangte”.

Nowitschok wurde vom sowjetischen Militär in den 1970er und 1980er Jahren entwickelt. Die britische Regierung wirft Moskau vor, hinter dem Anschlag vom 4. März im südenglischen Salisbury zu stecken. Die Beziehungen der beiden Länder haben sich seither massiv verschlechtert.

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