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06/12/2016

Jugendarbeitslosigkeit: MEPs fordern mehr Geld für Beschäftigungsinitiative

EU-Innenpolitik

Jugendarbeitslosigkeit: MEPs fordern mehr Geld für Beschäftigungsinitiative

Die EU-Jugendgarantie soll neun Millionen jungen Menschen in den letzten drei Jahren eine Beschäftigung, Ausbildung, ein Praktikum oder andere Möglichkeiten des lebenslangen Lernens angeboten haben.

[goodluz/shutterstock]

Die enttäuschenden Ergebnisse der Jugendgarantie, eigentlich Vorzeigeprogramm der EU, ernten vielerorts scharfe Kritik. Um Jugendarbeitslosigkeit effektiv zu bekämpfen, soll Brüssel nun mehr Mittel und Zeit in das Projekt investieren. EurActiv Brüssel berichtet.

Die Hoffnungen waren groß, als die Mitgliedsstaaten 2013 die EU-Jugendgarantie der Kommission annahmen. Drei Jahre später jedoch liegt die Jugendarbeitslosigkeit in der EU noch immer bei 19 Prozent. Besonders prekär ist die Situation nach wie vor in Griechenland (50,3 Prozent) und Spanien (43,9 Prozent).

Das Programm soll junge Menschen innerhalb der ersten vier Monate nach Ende ihres Schulbesuchs oder direkt aus der Arbeitslosigkeit heraus beim Jobeinstieg oder der Weiterbildung begleiten. Bislang lassen die Ergebnisse stark zu wünschen übrig, meint Tom Vrijens, Präsident des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB) Jugend.

Obwohl es zweifellos Fortschritte gab, blieb der Anteil der jungen Erwerbsfähigen ohne Arbeit, Schul- oder Berufsausbildung nahezu unverändert. Viele junge Erwachsene werden in prekäre Niedriglohnstellen gedrängt. Daher verlangt der EGB von Kommission und Mitgliedsstaaten, die Kriterien für Arbeits- und Ausbildungsplätze besser zu definieren.

Trotz all der Kritik ist man sich einig, dass es keine Patentlösung gibt, wenn es darum geht, jungen Menschen zur Arbeit zu verhelfen – vor allem nicht im derzeitigen Geschäftsklima. Aus diesem Grund wird die EU immer häufiger dazu aufgefordert, den Einsatz zu erhöhen, anstatt das Projekt zu streichen. Der Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit erfordere Zeit, so EGB-Verbandssekretär Thiébaut Weber. „Das gleiche gilt für die Jugendgarantie.“

EU-Abgeordnete schalten sich ein

Im EU-Parlament haben es sich die sozialistischen Abgeordneten Nicolas Schmit (Luxembourg) und Pervenche Berès (Frankreich) zur Aufgabe gemacht, die Jugendgarantie vor dem langsamen Abstieg in die Bedeutungslosigkeit zu retten. In einem gemeinsamen Schreiben an EU-Beschäftigungskommissarin Marianne Thyssen und Noch-Vizepräsidentin Kristalina Georgieva bitten sie die Kommission, das Programm stärker zu fördern.

Dem Haushaltsvorschlag der Institution, der bis 2020 nur zwei Milliarden Euro für das Programm vorsah, erteilten sie eine klare Absage. Auch die EGB schloss sich der Kritik an und verwies auf die Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Deren Schätzungen nach müsste man 21 Milliarden Euro im Jahr in die Region investieren, um die Situation zu bereinigen. Schmit und Berès fordern ebenfalls 20 Milliarden Euro.

Die Kommission spricht den beiden zufolge nur positiv von der Jugendgarantie. Diese hatte sie zuletzt als „kraftvollen Motor für politische Reformen“ bezeichnet. Darüber hinaus soll sie neun Millionen jungen Menschen in den letzten drei Jahren eine Beschäftigung, Ausbildung, ein Praktikum oder andere Möglichkeiten des lebenslangen Lernens angeboten haben.

In der Tat gibt es viele Erfolgsgeschichten, die beschreiben, wie die Jugendgarantie 2015 zum Beispiel dazu beigetragen haben soll, dass 83,5 Prozent der jungen Arbeitssuchenden in Finnland innerhalb von drei Monaten nach deren Anmeldung zum Programm ein Jobangebot erhielten. Wie Weber jedoch anmerkt, „kann sie [die Jugendgarantie] das Problem der Beschäftigung junger Menschen nicht allein lösen.“ Man müsse vor allem die Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und die jungen Menschen selbst stärker mit die Leitung und Überprüfung des Programms einbinden.

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