Journalistenmord: Festnahme in Deutschland

Im nordbulgarischen Ruse wurde die Journalistin Viktoria Marinowa ermordet. [shutterstock/trabantos]

Im Fall der getöteten bulgarischen Journalistin Viktoria Marinowa ist in Deutschland ein Verdächtiger festgenommen worden. Der in die Bundesrepublik geflohene Sewerin K. sei am späten Dienstagabend verhaftet worden, sagte Bulgariens Innenminister Mladen Marinow bei einer Pressekonferenz in Sofia.

„Wir verfügen über genug Beweise, die diese Person mit dem Ort des Verbrechens und dem Opfer in Verbindung bringen“, sagte Marinow. Die Festnahme des 1997 geborenen Verdächtigen sei auf Antrag der bulgarischen Behörden erfolgt.

Nach Angaben des bulgarischen Generalstaatsanwalts Sotir Zazarow besteht nach derzeitigem Ermittlungsstand kein Zusammenhang zwischen der Tat und der Arbeit der 30-jährigen Journalistin. „Die Beweise, die wir derzeit haben, lassen auf einen spontanen Angriff schließen, um das Opfer sexuell zu missbrauchen“, sagte Zazarow. Sewerin K. wurde demnach bereits wegen Mordes und Vergewaltigung gesucht.“Aber wir untersuchen weiterhin alle Hypothesen“, fügte er hinzu.

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Der Fall stieß auf große internationale Aufmerksamkeit, weil Marinowa bereits die dritte Journalistin ist, die innerhalb eines Jahres in der EU ermordet wurde. Im Oktober 2017 wurde die maltesische Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia bei einem Bombenanschlag getötet. Im Februar sorgte die Ermordung des slowakischen Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten für Entsetzen.

Die Journalistenorganisation Reporter Ohne Grenzen sprach von einem erschreckenden Trend: „Immer häufiger werden auch in der Europäischen Union Journalistinnen und Journalisten ermordet, weil sie unangenehme Themen ansprechen“, erklärte Sprecher Christian Mihr. Die EU dürfe nicht wegschauen.

Die Leiche der 30-Jährigen war am Samstag in der nordbulgarischen Stadt Ruse aufgefunden worden. Marinowa war vergewaltigt worden, sie starb durch Schläge auf den Kopf und Ersticken. Die Fernsehjournalistin arbeitete für den privaten Lokalsender TVN, der am 30. September ihre Interviews mit zwei investigativen Journalisten ausstrahlte. Diese berichteten über ihre Recherchen zur mutmaßlichen Veruntreuung von EU-Geldern in Bulgarien durch Geschäftsleute und Politiker.

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