Italienischer EU-Ratsvorsitz: Keine deutsche und französische Übersetzung der Website

Spart Matteo Renzi (Mitte) am falschen Ende? Links: EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, rechts: EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy. Foto: EC

Auf der offiziellen Webseite der italienischen EU-Ratspräsidentschaft werden die Informationen nur auf Englisch und Italienisch verfügbar sein. Das gab es seit 2007 nicht mehr. EURACTIV Frankreich berichtet.

Die Italiener, die den Ratsvorsitz am 1. Juli von den Griechen übernehmen werden, haben sich dazu entschlossen, ihre in den nächsten Tagen online gehende Webseite außer in Englisch in keine weitere der 22 EU-Amtssprachen zu übersetzen. Die italienische Regierung traf diese Entscheidung bereits unter Enrico Letta und sie wurde von dessen Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten, Matteo Renzi, akzeptiert. Begründet wurde dieser Schritt mit Kosteneinsparungen. Italien hat die Ratspräsidentschaft bis Dezember 2014 inne.

Das zeigt, dass Englisch, verglichen mit den beiden anderen Arbeitssprachen Deutsch und Französisch, für die europäische Kommunikation immer wichtiger wird.

Tradition der Mehrsprachigkeit

Seit 2007 haben alle EU-Ratspräsidentschaften mehrsprachige Webseiten angeboten. Das Sprachangebot umfasste immer die jeweilige Sprache des Landes, das den Ratsvorsitz innehatte, Englisch, sowie Deutsch und Französisch. Es gibt in der EU insgesamt 24 Amtssprachen, aber die Arbeitssprachen der Europäischen Kommission sind lediglich Deutsch, Englisch und Französisch.   

Frankreich ging sogar über das übliche Prozedere hinaus, und übersetzte die Webseite während seiner Ratspräsidentschaft 2008 ins Italienische, Spanische und Polnische. 2010 veröffentlichte Spanien seine Webseite auch in den Regionalsprachen des Landes: Baskisch, Galizisch und Katalanisch.  

Griechenland, das derzeit den Ratsvorsitz innehat, ist in seinem Mandat ebenfalls von Sparmaßnahmen betroffen und muss seine Ausgaben auf 50 Millionen Euro begrenzen. Dennoch, die offizielle Webseite gibt es in vier Sprachen: Griechisch und in den drei Arbeitssprachen Deutsch, Englisch und Französisch.

Reaktionen

Die Entscheidung Italiens hat auch unter den Europaabgeordneten Staub aufgewirbelt. „Es ist eine Schande. Wenn man sich die zunehmende Europaskepsis anschaut, kommt diese Entscheidung beinahe einer Provokation gleich“, sagt die französische Grünen-Europaabgeordnete Michèle Rivasi. Die Budgetkürzungen könnten die Entscheidung, Deutsch und Französisch auszulassen, nicht rechtfertigen. „Die Kürzungen hätte man in anderen Bereichen machen können, zum Beispiel bei den Aufenthaltskosten oder beim Transport. Ich denke, wir werden den Präsidenten des Europaparlaments dazu auffordern, dieses Problem anzusprechen“, sagt sie.

Italiens Entscheidung, die Übersetzung seines offiziellen Sprachrohrs zu begrenzen, ist kein Einzelfall. Englisch hat sich in den letzten Jahren als vorherrschende Arbeitssprache der EU-Institutionen etablieren können – auf Kosten von Französisch und Deutsch. 

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