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23/01/2017

Irisch wird bald vollwertige EU-Arbeitssprache

EU-Innenpolitik

Irisch wird bald vollwertige EU-Arbeitssprache

Der bekannte irische Dramaturg und Linguist Oscar Wilde wäre sicherlich von der neuen Gleichberechtigung der Sprachen in der EU begeistert.

[Samuel Morgan]

Irisch ist bereits seit 2007 einer der offiziellen Amtssprachen der EU. Nun will man das Irische schrittweise zu einer vollwertigen Arbeitssprache der EU-Institutionen ausbauen. EurActiv Brüssel berichtet.

“Tá gach ainmhí cothrom ach tá roinnt ainmhithe níos cothroime ná a chéile” – oder für die linguistisch weniger Versierten: „Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher als die anderen.“ Diese vielzitierte Maxime aus George Orwells Farm der Tiere scheint die Einstellung der EU zu den Iren recht passend widerzuspiegeln.

Obwohl Irisch eine der 24 offiziellen EU-Sprachen ist, befand es sich bisher aufgrund einer „Ausnahmeregelung“ in einer Art administrativen Schwebe. Das bedeutet, die EU-Institutionen sind bisher nicht verpflichtet gewesen, vollständigen Übersetzungs- und Dolmetschdienst in dieser Sprache anzubieten, wie es bei den anderen 23 Sprachen der Fall ist. Eine Übersetzung ist nur im Rahmen von Mitentscheidungsverfahren des EU-Parlaments und des Rats vorgeschrieben.

Nach dem EU-Beitritt Maltas 2004 erhielt das Maltesische einen ähnlichen Ausnahmestatus. Diesen hob man 2007 jedoch vollständig auf und stellte es so mit den anderen Sprachen auf eine Stufe. Maltesisch ist Muttersprache von etwa einer halben Million Menschen, wohingegen die Zahl der irischen Muttersprachler bei geschätzt etwa 100.000 liegt.

Am dritten Dezember verkündete der Rat schließlich, er werde einen Verordnungsentwurf ausarbeiten, der mehr Bereiche mit verpflichtenden irischen Übersetzungen abdeckt. Ziel sei es, den Ausnahmestatus der Sprache bis zum 1. Januar 2022 komplett aufzuheben. Wahrscheinlich wird die EU die Übersetzungsdienste ihrer Institutionen ausweiten müssen, um das wachsende Arbeitsvolumen zu schultern.

EU-Bürger haben das Recht, beim Schriftverkehr mit den Institutionen jede offizielle EU-Sprache zu verwenden. Die Antwort muss in derselben Sprache erfolgen. Die EU-Parlamentsabgeordnete Liadh Ní Riada (Sinn Féin) trat aus Protest gegen den „Zweite-Klasse-Status der irischen Sprache“ in einen wochenlangen „Sprachstreik“. So bestand sie bei Gesprächen mit den Institutionen darauf, ausschließlich in ihrer Muttersprache zu sprechen.

Jeder Zweig der EU hat seinen eigenen Übersetzungsdienst. Das größte Arbeitsvolumen übernimmt die Generaldirektion Übersetzung der Kommission. Pro Jahr steht ihr ein Budget von etwa 330 Millionen Euro zur Verfügung. 2014 übersetzten die Mitarbeiter insgesamt 2,3 Millionen Seiten. Schätzungen zufolge machen die Gesamtkosten der Übersetzungen aller Institutionen etwa ein Prozent des jährlichen EU-Haushalts aus – das sind zwei Euro pro EU-Bürger.