Häusliche Gewalt: Beratungsstellen sind entscheidend

Die Daten einer neuen Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) zeigen, dass 43 Prozent der Frauen in ihrem Leben irgendeine Form von psychischer Gewalt erleben. [Euractiv illustration by Esther Snippe/Photos: Shutterstock]

Jede dritte Frau in der EU hat körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Sensibilisierungsmaßnahmen und Schulungen vor Ort sind daher von zentraler Bedeutung, um gefährdeten Frauen den Zugang zu Hilfsangeboten zu erleichtern.

Die bisher umfassendste EU-weite Umfrage zum Thema Gewalt gegen Frauen aus dem Jahr 2012, basiert auf die Befragungen von 42.000 Frauen aus allen damals 28 Mitgliedstaaten. Der nun veralteten Umfrage nach hat jede fünfte Frau eine Form von körperlicher und, oder sexueller Gewalt durch einen aktuellen oder früheren Partner erlebt.

Gleichzeitig hat fast die Hälfte der Frauen eine Form von kontrollierendem oder psychisch missbräuchlichem Verhalten in einer Beziehung erlebt, so die Umfrage.

Offizielle Statistiken geben die tatsächliche Prävalenz von Gewalt gegen Frauen nur unzureichend wieder, wie der EU-Gleichstellungsindex unterstreicht. Das bedeutet, dass die tatsächlichen Zahlen aus der Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte wahrscheinlich wesentlich höher sind.

Mehrere Studien zeigen, dass psychische Gewalt und kontrollierendes Verhalten oft eine Vorstufe zu körperlicher Gewalt sind.

Die Daten einer neuen Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) zeigen, dass 43 Prozent der Frauen in ihrem Leben irgendeine Form von psychischer Gewalt erleben.

Die Istanbul-Konvention des Europarats definiert psychische Gewalt als „vorsätzliches Verhalten, durch das die psychische Unversehrtheit einer Person durch Nötigung oder Drohung ernsthaft beeinträchtigt wird.“

Laut dem Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) sind Frauen, unter 30 Jahren, mit einer Behinderung oder gesundheitlichen Beeinträchtigung, die nicht-heterosexuell sind oder einen Migrationshintergrund haben, häufiger von psychischer Gewalt betroffen als die Allgemeinbevölkerung.

Hilfe suchen

„Sensibilisierungsmaßnahmen sind ein grundlegender Bestandteil von Strategien zur Primärprävention“, so das EIGE. Sie seien der Schlüssel, um Glaubenssätze zu ändern, die häusliche Gewalt normalisieren. Durch solche Maßnahmen könne verhindert werden, dass Männer und Frauen zu Opfern oder Tätern missbräuchlicher Beziehungen werden, und die breite Öffentlichkeit könne über die verfügbaren Ressourcen informiert werden.

Der FRA-Studie zufolge weiß fast jede fünfte Frau nicht, welche Hilfsangebote für Frauen in ihrem Land zur Verfügung stehen. Fast zwei von fünf Frauen gaben an, dass sie in ihrem Freundes- und Familienkreis andere Frauen kennen, die Opfer häuslicher Gewalt sind, und eine von fünf Frauen kennt jemanden in ihrem Arbeits- oder Ausbildungsumfeld.

Gewalt wird aus einer Vielzahl von Gründen nicht angezeigt, wie zum Beispiel finanzielle Abhängigkeit vom Täter, Zweifel an der Unterstützung der Opfer durch das Rechtssystem und der Angst vor Vergeltungsmaßnahmen oder Sorgerechtskosten.

Auch Stigmatisierung und das Fehlen sozialer und formeller Hilfsnetze spielen eine wichtige Rolle. Diese Faktoren stehen im Mittelpunkt mehrerer laufender Kampagnen auf EU- und nationaler Ebene.

Grafik: Esther Snippe

 

Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, von häuslicher Gewalt betroffen sein könnte, rufen Sie die EU-weite Notrufnummer 116 016 an.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren