Fachkräftemangel in Osteuropa: Die Schattenseite der EU-Erweiterung

EU Europa Nachrichten

Der EU-Beitritt Rumäniens und Bulgariens trug einer aktuellen Studie zufolge kaum dazu bei, die grenzüberschreitende Forschungszusammenarbeit zu verbessern. [European Commission]

Anstatt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu fördern, habe die EU-Erweiterung zur Abwanderung von Fachkräften von Ost- nach Westeuropa geführt, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. EURACTIV Spanien berichtet.

Ein aktueller Artikel der Fachzeitschrift Science Advances befasst sich ausführlich mit der Erweiterung von 2004, bei der die EU-Mitgliedszahl von 15 auf 25 stieg. „Im Grunde genommen hat diese Erweiterung auch die Zahl der Forscher erhöht, die über verschiedene europäische Programme mit EU-Partnern kollaborieren können“, erklärt Alexander Petersen von der University of California bei der Präsentation der Forschungsergebnisse am 12. April.

Dennoch habe die allgemein als Osterweiterung bekannte Vergrößerung nicht dazu beigetragen, die räumlich entfernte Zusammenarbeit zwischen Forschern älterer und neuerer Mitgliedsstaaten zu verbessern. Die Integration neuer Länder sei vielmehr eine Einbahnstraße gewesen: Wissenschaftler der neuen EU-Staaten wanderten in etabliertere Gefilde aus.

Abschied der deutschen Willkommenskultur?

Die Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen bekommt einer Studie zufolge zunehmend Kratzer – besonders in Ostdeutschland. Die meisten Deutschen heißen Migranten aber weiter willkommen.

Auch die Erweiterung um Bulgarien und Rumänien von 2007 stärkte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit laut Studie nicht. Verantwortlich für die sehr niedrige internationale Kooperation zwischen Forschern sei unter anderem die Abwanderung von osteuropäischen Fachkräften. Als die Grenzen fielen, hätten sich zahlreiche Akademiker entschieden, ihre Heimat zu verlassen.

„Wir können Gelder in Forschung und Infrastruktur stecken; wir können EU-Mittel umlenken, damit sie den Annäherungsprozess vorantreiben. Aber wie können wir verhindern, was derzeit geschieht? Wie können wir sicherstellen, dass es diesen Ländern nicht an Humankapital mangelt?“, fragt Fabio Pammolli von der Polytechnischen Universität in Mailand. Der Studienteilnehmer warnt, die EU laufe Gefahr, reale Integrationschancen zu verpassen, da sie die ihr zur Verfügung stehenden Instrumente vernachlässige.

Die Studie basiert auf Daten unterschiedlicher Forschungsprojekte sowie auf Informationen der Weltbank. Die Forscher analysierten grenzüberschreitende Untersuchungen von 1996 bis 2012, Regierungsinvestitionen, Fachkräftewanderungen und Migrationsstatistiken. „Mit diesem Rahmen können wir versuchen, herauszufinden, was nach dem Brexit geschehen wird oder wie sich eine Mauer zwischen Mexiko und den USA auf die Mexikaner auswirken würde. Diese Fragen sind vor allem für die jüngere Generation von großer Bedeutung“, so das Fazit den zweiten Studienautors Omar Doria Arrieta.

Weitere Informationen

Bosnien: Gespalten, aber geschlossen für EU-Mitgliedschaft

Bosnien-Herzegowina ist mehr als 20 Jahre nach dem Krieg noch immer tief gespalten. Der einzige gemeinsame Nenner: die EU-Mitgliedschaft.