EU-Flüchtlingspolitik: Dutzende Tote bei Bootsunglück vor Istanbul

Der Weg über das Mittelmeer endete allein in diesem Jahr für mindestens 3.200 Menschen tödlich. Foto: dpa

Beim Untergang eines Flüchtlingsboots unweit von Istanbul sind mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen. Der neue EU-Flüchtlingskommissar will reagieren – aber vorerst nur mit alt bekannten Rezepten.

Die Leichen der Flüchtlinge seien nahe der Mündung des Bosporus ins Schwarze Meer geborgen worden, teilte die türkische Küstenwache mit. Sieben Menschen hätten die Rettungskräfte lebend aus dem Wasser ziehen können.

Mit sieben Schiffen und einem Hubschrauber suchte die Küstenwache nach weiteren Opfern. Auch Taucher waren im Einsatz. Türkische Medien berichteten, dass 42 afghanische Flüchtlinge an Bord des gesunkenen Boots gewesen seien, darunter zwölf Kinder und sieben Frauen.

Auch Fischer beteiligten sich an der Rettungsaktion. Einer von ihnen sagte der Zeitung „Hürriyet“, die Bootsinsassen hätten zwar Rettungswesten gehabt. „Aber überall waren Leichen. Babys, Kinder“. Auf einem Anlegesteg auf der europäischen Seite des Bosporus lagen mit Tüchern zugedeckte Leichen. Wie es genau zu dem Unglück etwa fünf Kilometer vor der Schwarzmeerküste am nördlichen Ende des Bosporus kam, ist bisher nicht klar.

„Ich bin entsetzt über diese Tragödie“, erklärte der neue griechische EU-Flüchtlingskommissar Dimitris Avramopoulos. Der Vorfall mache erneut deutlich, dass umgehend konkrete Schritte zur Seenotrettung notwendig seien. Die EU müsse aber auch stärker gegen irreguläre Migration vorgehen, so Avramopoulos. 

Wir müssen die Zusammenarbeit mit solchen Drittstaaten verbessern, von wo die Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa abreisen. Das wird vorerst meine Top-Priorität als EU-Kommissar sein.

Etliche Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten versuchen über die Türkei in die EU zu gelangen. Wenn sie dazu den Wasserweg nutzen, sind sie häufig auf unsicheren und überfüllten Booten unterwegs. Allein in diesem Jahr kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) rund 3.200 Menschen beim Versuch ums Leben, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. Seit den Aufständen des Arabischen Frühlings und dem Bürgerkrieg in Syrien ist die Zahl der Flüchtlinge stark angestiegen.

Der Bosporus ist eine der am meisten genutzten Wasserstraßen der Welt. Wegen der Suche nach Opfern wurde der Schiffsverkehr im Bosporus am Montag für einige Stunden unterbrochen.

An der Meerenge liegt die Millionenmetropole Istanbul. Anrainer des Schwarzen Meers sind unter anderem die EU-Mitglieder Bulgarien und Rumänien. Der Logistik- und Verschiffungskonzern GAC teilte mit, das Flüchtlings-Boot habe Kurs auf die rumänische Hafenstadt Constanta genommen, als es gegen 5 Uhr gesunken sei. Unklar war, wo es aufgebrochen war.

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