EU-Asylbehörde: Zahl der Asylsuchenden fast wieder auf dem Vor-Pandemie-Niveau

Die Zahl der Asylsuchenden in der EU habe fast wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht, sagte die Direktorin des Europäischen Unterstützungsbüros für Asylfragen (Easo), Nina Gregori. [CHRISTIAN BRUNA/EPA-EFE]

Die Zahl des Asylsuchenden in der Europäischen Union hat nach Angaben der EU-Asylbehörde Easo fast wieder „das Niveau“ aus der Zeit vor der Corona-Pandemie erreicht. Bei Anträgen aus Afghanistan gibt es demnach einen neuen Höchststand.

Allein im August hätten die EU-Staaten rund 56.000 internationale Schutzgesuche registriert, sagte Easo-Direktorin Nina Gregori den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vom Sonntag (17. Oktober). Das sind nach früheren Easo-Daten 16.000 Anträge oder 40 Prozent mehr als im August 2020.

Der Easo-Chefin zufolge ist der August der dritte Monat mit einer deutlich gestiegenen Zahl an Asylanträgen. Grund dafür seien vor allem ein Höchststand bei afghanischen Bewerber:innen. Allein von afghanischen Staatsangehörigen sei im August eine Rekordzahl von 10.000 Asylanträgen in der EU gestellt worden, das entspreche einer Steigerung um 38 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Die Anträge stammten von Afghan:innen, die über die Luftbrücke aus Kabul geholt worden seien, oder die schon längere Zeit in Europa lebten und nun zum wiederholten Mal um Asyl nachsuchten, sagte Gregori weiter: „Wir sehen bisher keine Bewegungen von Afghan:innen aus Afghanistan, die nach Europa kommen“.

Aber die Asylbehörde beobachte die Situation in den Nachbarländern von Afghanistan sehr genau, wo derzeit Hunderttausende Schutz suchten. Die EU müsse sich auf eine „schwere Situation“ vorbereiten, mahnte Gregori.

Ihre Behörde arbeite eng mit der EU-Kommission und den Behörden der EU-Mitgliedstaaten zusammen und baue etwa Aufnahmekapazitäten auf dem Balkan auf. Zudem werde ein Eingliederungsprogramm für Afghanistan in die EU vorbereitet.

„Sobald die europäischen Staaten entscheiden, Flüchtlinge von Afghanistan nach Europa umzusiedeln, steht Easo bereit, eine Schlüsselrolle in dem Verfahren zu übernehmen“, sagte Gregori.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl forderte von der deutschen und anderen Regierungen verstärkte Maßnahmen zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan. Die bisherigen Schritte seien unzureichend. „Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich ein Bundesaufnahmeprogramm zu starten“, erklärte Geschäftsführer Günter Burkhardt. „Es gilt jetzt, Menschenleben zu retten.“

Er forderte, die zum Stichtag 26. August geschlossene Liste der Bundesregierung für aufnahmeberechtigte Afghan:innen wieder zu öffnen und weiterzuführen. Allein die Gefährdung müsse zählen, sagte Burkhardt. Auswärtiges Amt und Bundesinnenministerium müssten zudem den Familiennachzug von Angehörigen von bereits im Ausland befindlichen Schutzberechtigten dringend beschleunigen.

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