Die Schwergewichte in von der Leyens EU-Kommission

Bei der Postenvergabe in ihrer neuen EU-Kommission musste Ursula von der Leyen viele Kompromisse eingehen. [EPA-EFE/OLIVIER HOSLET]

Bei der Postenvergabe in ihrer neuen EU-Kommission musste Ursula von der Leyen viele Kompromisse eingehen. Nach ihrer überraschenden Ernennung zur Kommissionspräsidentin ging es einerseits darum, gescheiterte Anwärter auf den Brüsseler Chefposten mit großen Aufgabenportfolios zu trösten. Zudem wollten Länder wie Frankreich, Italien oder Spanien Schlüsselpositionen. Die Schwergewichte in der künftigen EU-Kommission:

FRANS TIMMERMANS
Der Niederländer soll einer von drei geschäftsführenden Vize-Präsidenten werden, nachdem er bisher schon Stellvertreter des scheidenden Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker war. Dieser betraute den Ex-Außenminister mit dem schwierigen Dossier der Verstöße gegen die Rechtsstaatlichkeit in Polen oder Ungarn. Bei der Europawahl im Mai trat der 58-Jährige als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten an. Doch seine Hoffnung, Juncker zu beerben, zerschlug sich. In der neuen Kommission soll Timmermans
nun für das Großdossier Klima zuständig sein.

MARGRETHE VESTAGER
Auch die Dänin ist als geschäftsführende Vizepräsidentin in von der Leyens Team vorgesehen und bekam den Bereich Digitales. Zudem durfte sie ihren bisherigen Job als Wettbewerbskommissarin behalten. In diesem machte die 51-jährige Liberale international Schlagzeilen, weil sie Milliardenstrafen gegen US-Konzerne wie Google verhängte. In ihrer Heimat Dänemark war sie vor ihrem Posten in Brüssel Wirtschafts- und Innenministerin. Bei der Europwahl war sie Teil eines „Spitzenteams“ der Liberalen und galt auch als mögliche Anwärterin auf den Posten der Kommissionspräsidentin.

VALDIS DOMBROVSKIS
Der frühere lettische Ministerpräsident war schon in der bisherigen Kommission einer der Vizepräsidenten und unter anderem für den Euro zuständig. Nun bekam der 48-jährige Balte überraschend erneut eine herausgehobene Stellung als dritter geschäftsführender Vizepräsident. Der Konservative soll dabei „die Arbeiten für die Wirtschaft im Dienste der Menschen koordinieren“ und ist als Kommissar erneut für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und Kapitalmarktunion zuständig.

JOSEP BORRELL
Der 72-jährige Katalane soll neuer Außenbeauftragter der EU werden. Er ist seit 2018 spanischer Außenminister. Erstmals in die spanische Regierung kam der Sohn eines Bäckers 1984 als Finanzstaatssekretär. 1998 wurde er Kandidat der spanischen Sozialisten für das Amt des Regierungschefs für die Wahlen im Jahr 2000. Doch wegen einer Steuerhinterziehungsaffaire um zwei seiner Mitarbeiter im Finanzministerium musste er das Handtuch werfen. Er versuchte darauf sein Glück als Europaabgeordneter und war zwischen 2004 und 2007 Präsident des Europäischen Parlaments.

PAOLO GENTILONI
Auch der Spross einer Adelsfamilie ist ein Neuling in der EU-Kommission. Dort soll der Sozialdemokrat nun den wichtigen Bereich Wirtschaft übernehmen. Damit würde ausgerechnet der Vertreter des hoch verschuldeten Italiens für die Einhaltung der Haushaltsdisziplin in den Mitgliedstaaten zuständig, was für Kritik im Europaparlament sorgt. In seiner Heimat war der frühere Journalist ab 2014 Außenminister und wurde danach 2016 für anderthalb Jahre Regierungschef.

SYLVIE GOULARD
Die Französin war zunächst Beraterin des früheren Kommissionschefs José Manuel Barroso und später EU-Abgeordnete. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron machte sie 2017 zur Verteidigungsministerin. Sie musste jedoch nach nur einem Monat wegen Vorwürfen der Scheinbeschäftigung gegen ihre Zentrumspartei Modem im Europaparlament zurücktreten. Zuletzt war sie Vize-Präsidentin der französischen Zentralbank. Bei von der Leyen soll die 54-Jährige nun für Industriepolitik, den digitalen Binnenmarkt und den neu geschaffenen Bereich Verteidigungsindustrie zuständig sein.

PHIL HOGAN
Dem bisherigen EU-Landwirtschaftskommissar aus Irland kommt mit Blick auf den Brexit eine besondere Stellung in der Kommission zu. Denn der 59-Jährige ist künftig für Außenhandel zuständig. In dieser Funktion muss er nicht nur den Handelsstreit mit US-Präsident Donald Trump entschärfen. Nach dem britischen EU-Austritt wäre der frühere irische Umweltminister auch für die komplizierte Aushandlung eines Freihandelsabkommens mit London verantwortlich.

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