Deutsche Katastrophenärzte verfassen Alarmbericht über Straßburg

Patienten über 80 Jahre werden nicht mehr beatmet. [EPA-EFE/STEPHANIE LECOCQ]

Dies ist ein Artikel von EURACTIVs Medienpartner Der Tagesspiegel.

Ihr Besuch in Straßburg im Auftrag des Innenministeriums Baden-Württembergs hat die Ärzte schockiert. Sie warnen, wie sich Deutschland vorbereiten sollte.

Infizierte Mediziner arbeiten weiter mit Coronavirus-Patienten, über 80-Jährige werden nicht mehr beatmet, die Gefahr „medizinischer Kollateralschäden“: Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin (DIFKM) haben nach einem Besuch in der Universitätsklinik von Straßburg einen alarmierenden Bericht für das Innenministerium Baden-Württembergs über die Lage in dem französischen Coronavirus-Epizentrum verfasst.

Und sie haben daraus Schlüsse für die Lage in der Bundesrepublik gezogen. Die deutschen Ärzte beschreiben in dem Dokument, das dem Tagesspiegel vorliegt, die zum Teil drastischen Maßnahmen, die von den Kollegen im Elsass ergriffen wurden.

Nach dem Besuch dort zeichne „sich nunmehr im Detail greifbare Gefahr durch das Virus Sars-CoV-2 ab“. Dies mache „weitere konsequente Maßnahmen der Landesregierungen, der Krankenhäuser und der Rettungsdienste in Deutschland“ unabdingbar.

Durch die Coronavirus-19-Pandemie sind in Frankreich bereits mehr als 1000 Menschen gestorben, rund 22.300 Menschen infizierten sich. Die Regierung in Paris hatte vor einer Woche strikte Ausgangsbeschränkungen verhängt, die polizeilich überwacht werden. Bürger, die vor die Türe gehen, müssen einen Passierschein vorweisen können und angeben, wohin sie gehen.

Die Ärzte des DIFKM schreiben weiter, unter der Annahme, dass sich die Entwicklung, wie im sie im Elsass bestehe, bald auch in Deutschland einstellen werde, sei eine optimale Vorbereitung von „allerhöchster Dringlichkeit“ – wichtig zu sehen sei dabei, „dass das Nadelöhr die zu beatmenden Patienten sind“. Damit käme dem Rettungsdienst und der Intensivmedizin in den Kliniken „die absolute Schlüsselrolle“ zu.

Dies unterstreichen die deutschen Ärzte mit dem Satz über den Besuch in Straßburg: „Am 23.03.2020 erfolgte pro Stunde eine Aufnahme eines beatmungspflichtigen Patienten.“ Normalerweise verfüge die Klinik über Intensivstationen mit insgesamt 40 Beatmungsbetten in Einzelzimmern, wo die Bauchlage, die sich therapeutisch als am wirksamsten erwiesen habe, angewandt werden können.

Am Tag des Besuches hätten 90 solcher Plätze zur Verfügung gestanden. Für den 25. März seien weitere 110 Betten erwartet worden, die in einem großen Raum untergebracht werden sollten, so der DIFKM-Bericht.

Für das Fachpersonal müsse es auch in Deutschland eine klar definierte Sonderrolle geben, heißt es im DIFKM-Bericht, abweichend auch von den Regeln, die in Deutschland das Robert-Koch-Institut aufgestellt habe, denn: „Der Ausfall jeder einzelnen Person in diesen Bereichen wird am Ende Menschen das Leben kosten.“

Melden Sie sich für "The Capitals" an

Vielen Dank für das Abonnieren des The Capitals Newsletters!
  • Mit EURACTIV immer auf dem Laufenden!

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.