Deutsch-französische Grenzgänger zwischen Zweifeln und Resignation

Deutsche Polizeibeamte kontrollieren Grenzgänger an der deutsch-französischen Grenze. [RONALD WITTEK/EPA]

„Kann ich noch zur Arbeit fahren?“ – „Wo kann ich mich testen lassen?“ Solche Fragen bewegen derzeit viele Menschen im deutsch-französischen Grenzgebiet.

Ab Dienstag gelten zwischen Saar und Mosel harte Corona-Regeln auch für Berufspendler. Die Bundesregierung hat den französischen Verwaltungsbezirk Moselle zum „Virusvariantengebiet“ erklärt, weil dort die hoch ansteckende Mutante aus Südafrika grassiert.

Französische Grenzgänger müssen für eine Fahrt nach Deutschland seit Dienstag erstmals einen negativen Corona-Test vorlegen. Zudem müssen sie vor jedem Grenzübertritt die digitale Einreiseanmeldung der Bundesregierung ausfüllen. Das gilt ausdrücklich auch für die rund 16.000 Berufspendler.

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Von deutschen Grenzbewohnern verlangt Frankreich ebenfalls einen negativen Corona-Test – allerdings nur für nicht beruflich bedingte Fahrten, also etwa zum Einkaufen oder Besuch bei Verwandten oder Freunden. Bisher waren Grenzübertritte von bis zu 24 Stunden in beide Richtungen ohne Auflage erlaubt, um die engen Beziehungen in der Region nicht zu stören.

„Für uns Grenzpendler wird das nun kompliziert“, sagte Amandine Bickel. Die 31-jährige Französin hat einen Zeitschriften- und Tabakladen direkt hinter der Grenze, am Ortseingang von Saarbrücken. Sie hofft auf ein deutsch-französisches Testzelt, das direkt neben ihrem Geschäft errichtet wird und morgens ab 6.30 Uhr öffnen soll.

„Ich hoffe, dass die Tests für uns wenigstens kostenlos sind“, sagt Bickel. Denn während in Frankreich alle Corona-Tests von der Krankenkasse bezahlt werden, gilt dies in Deutschland in der Regel nur, wenn ein ärztliches Attest vorliegt.

Sorgen macht sich auch die französische Pendlerin Dagmar Massonnet: „Drei Tests pro Woche, um zur Arbeit zu fahren – das ist kaum zu schaffen“, sagt sie und verweist auf die deutsche Vorschrift, wonach die Tests höchstens 48 Stunden alt sein dürfen.

„Ich kann nun nicht mehr jeden Morgen mein Baguette in Frankreich kaufen“, beschwert sich ein älterer Herr, der auf der deutschen Seite der Grenze lebt. „Die Leute kaufen jetzt auf Vorrat“, kommentiert dies die Verkäuferin in einem Supermarkt auf saarländischer Seite, vor dem viele Autos mit französischen Kennzeichen parken.

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Die Gefahr einer Verbreitung von Coronavirus-Mutanten aus Tschechien sowie dem österreichischen Bundesland Tirol sei „besonders hoch“. Die Kritik der EU-Kommission an den Grenzkontrollen wies er erneut zurück.

Bereits vor Inkrafttreten der neuen Regeln kontrollierte die Polizei Autos am Ortseingang von Saarbrücken. Für Dienstag sei dagegen erst einmal „nichts vorgesehen“, sagt der deutsche Polizist Dirk Schlouck. Anders als im Fall von Tschechien und Tirol in Österreich soll es keine Kontrollen direkt an der Grenze geben. Stattdessen sieht das Innenministerium eine „Schleierfahndung im Hinterraum“ vor.

In Frankreich goutiert dennoch nicht jeder das deutsche Vorgehen: Der Präsident der französischen Grenzregion Grand Est, Jean Rottner, wirft der Bundesregierung „Brutalität“ vor. Er nennt die Corona-Zahlen im Département Moselle „stabil“ – auch wenn die Zahl der Neuinfektionen dort bei über 300 pro 100.000 Einwohnern liegt und die südafrikanische Variante bereits mehr als 50 Prozent ausmacht.

Die französische Regierung hat das Mosel-Gebiet bisher lediglich unter „verschärfte Beobachtung“ gestellt und 30.000 zusätzliche Impfdosen zugesagt. Zudem könnte eine weitgehende Ausgangssperre an Wochenenden verhängt werden. In Teilen der Côte d’Azur gilt sie bereits.

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