Deutsch-französische Brigade paradiert bei Merkels Paris-Besuch am 14. Juli

Der Brigade gehören derzeit rund 5600 Soldaten an. An ihrer Spitze wechseln sich für jeweils zwei Jahre ein Deutscher und ein Franzose ab. Derzeit hat der französische General Bertrand Boyard das Kommando im binationalen Stab im baden-württembergischen Müllheim. In beiden Ländern gibt es weitere Standorte. [EPA/ROLF HAID]

Sie wurde als Keimzelle einer europäischen Armee gelobt und vom Skandal um den Soldaten Franco A. erschüttert, der einen Anschlag geplant haben soll: Die vor 30 Jahren gegründete deutsch-französische Brigade nimmt am Sonntag in Paris an der traditionellen Militärparade zum französischen Nationalfeiertag teil. Dazu hat Präsident Emmanuel Macron Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Staats- und Regierungschefs der EU eingeladen.

Wie kam es zur Gründung der deutsch-französischen Brigade?
Den Grundstein legten Frankreichs Präsident François Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl 1987 bei einem Treffen in Karlsruhe. Zwei Jahre später wurde die Brigade dann aus der Taufe gehoben. Sie gilt als Keimzelle des 1993 gegründeten Eurokorps, dem sie seither unterstellt ist.

Wie groß ist die Brigade?
Ihr gehören derzeit rund 5600 Soldaten an. An ihrer Spitze wechseln sich für jeweils zwei Jahre ein Deutscher und ein Franzose ab. Derzeit hat der französische General Bertrand Boyard das Kommando im binationalen Stab im baden-württembergischen Müllheim. In beiden Ländern gibt es weitere Standorte.

Welche Aufgaben hat die Brigade?
Verbände der deutsch-französischen Brigade waren immer wieder in Auslandseinsätzen, etwa in Bosnien und im Kosovo sowie in Afghanistan. Zuletzt wurden Teile der Brigade ins westafrikanische Mali entsandt. Dort unterstanden sie bis April dieses Jahres verschiedenen Mandaten: Die deutschen Soldaten unterstützten im Rahmen der UN-Operation Minusma die politischen Institutionen, die Franzosen beteiligten sich im Rahmen der Operation Barkhane am Kampf gegen Islamisten.

Worum ging es bei dem Skandal um Franco A.?
Er war als Bundeswehroffizier beim Jägerbataillon 291 im elsässischen Illkirch-Graffenstaden, das zur deutsch-französischen Brigade gehört. Die Bundesanwaltschaft verdächtigte den Oberleutnant 2017, „aus einer völkisch-nationalistischen Gesinnung“ heraus einen Anschlag auf das Leben ranghoher Politiker und anderer Menschen geplant zu haben, die aus seiner Sicht ein flüchtlingsfreundliches Engagement zeigten.

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main befand jedoch, A. sei mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht fest entschlossen gewesen, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat zu verüben. Der Haftbefehl gegen A. wurde aufgehoben und das Verfahren an das Landgericht Darmstadt verwiesen.

Was ist die Zukunft der deutsch-französischen Einheit?
Bereits die Gründerväter sahen in der binationalen Truppe den ersten Schritt hin zu einer gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik. Präsident Macron hat sich für den Aufbau einer europäischen Armee ausgesprochen, auch Bundeskanzlerin Merkel unterstützt dies. Mit der Parade zum 14. Juli will Macron gemeinsame Schlagkraft beweisen. In vielen Punkten gehen die Interessen aber auseinander: Frankreichs Staatschef schweben gemeinsame Interventionen in Krisengebieten vor. Berlin ist zurückhaltend, auch wegen des Parlamentsvorbehalts für Einsätze.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.