Der Brenner verlangt eine europäische Lösung

Der Brenner-Pass zwischen Italien und Österreich [Foto: EPA/JAN HETFLEISCH, (c) dpa]

Schneechaos brachte den Verkehr auf dem europäischen Verkehrsknotenpunkt, dem Brennerpass, vergangene Woche komplett zum erliegen. Der von der EU mitfinanzierte Brenner Basistunnel soll den Verkehr entlasten – doch bis zu seiner Fertigstellung müssen andere Lösungen her.

Der durch den Schneefall bedingte Verkehrsinfarkt am vergangenen Wochenende auf der Brennerautobahn hat einmal mehr auf die Dringlichkeit einer EU-Verkehrslösung für die wichtigste Nord-Süd-Transversale aufmerksam gemacht. Fast einen halben Tag lang war die Strecke von Innsbruck über den Brenner bis nach Brixen blockiert, auch die Ausweichrouten waren betroffen. Dass dies kein Einzelereignis war, der nächste Kollaps absehbar ist, steht für die Politiker, allen voran Tirols Landeshauptmann Günther Platter und den Südtiroler Landeschef Arno Kompatscher, schon seit Langem fest. Tatsächlich aber lässt eine rasche Lösung dieser Verkehrsproblematik auf sich warten.

Für die Verkehrssprecherin der ÖVP im EU-Parlament, Claudia Schmidt, eine „unzumutbare“ Situation. Das sieht auch der Südtiroler EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann (EVP) im Gespräch mit EURACTIV so. Derzeit wird aber vor allem die Frage diskutiert: wer ist Schuld? Die Frächter machen die Fahrverbote auf der Nordtiroler-Seite verantwortlich. Italiens Innenminister sieht Versäumnisse bei der privaten Autobahnbetreibergesellschaft. Seitens der Behörden wird darauf verwiesen, dass viele LKWs nicht mit wintertauglichen Reifen unterwegs waren und die Wettersituation von den Fahrern völlig falsch eingeschätzt wurde.

Tatsächlich war der Verkehr vom Brenner abwärts durch Bremsversagen vieler LKWS auf der schneeglatten Fahrbahn zum Erliegen gekommen. Mit der Folge, dass sich ein über 80 Kilometer langer Stau aufbaute.

Brenner hat Kapazitätsgrenze erreicht

Für den Abgeordneten Dorfmann ist klar, dass mit einer Frequenz von 2,3 Millionen LKW über 3,5 Tonnen, darunter massenhaft Schwerfahrzeuge, die Kapazitätsgrenze längst erreicht und ein neuerlicher Infarkt jederzeit möglich ist. Bis auf die Fertigstellung des Brenner-Basis-Tunnels zu warten, sei eine völlig falsche Einschätzung der tatsächlichen Lage. Das österreichisch-italienische Bauprojekt soll auf einer 64 Kilometer langen Strecke die weltweit längste unterirdische Eisenbahnstrecke werden und bis zum Jahr 2026 abgeschlossen sein.

Über eine Milliarde Euro der Baukosten werden dabei aus den Strukturfonds der EU bezahlt, das entspricht knapp der Hälfte der Gesamtkosten. Vor Fertigstellung des gewaltigen Bauprojekts sieht Dorfmann die Lösung vorrangig und rasch machbar in einer Verkehrsverteilung: Fahrzeuge könnten über die Tauernautobahn sowie über den Schweizer Gotthard geleitet werden, der derzeit nur die Hälfte der Frequenz der Brennerroute aufweist. Außerdem müsse der grenzüberschreitende Bahnverkehr in der Region nachhaltig gesteigert werden. Das würde allerdings einen Ausbau des Verladebahnhofs in Verona erforderlich machen.

Verkehrssprecherin Schmidt setzt ihre Hoffnung vor allem auf den Brennerbasistunnel. Tatsächlich sei man mit dem Baufortschritt absolut in der Zeit, so Schmidt. Sorgen aber machen die notwendigen Zulaufstrecken. Diesbezüglich habe man nun auf italienischer Seite bereits mit den notwendigen Baumaßnahmen begonnen.  Wenn hier nicht rechtzeitig etwas geschieht, dann werde die Unterquerung des Alpenhauptkammes die notwendige Wirkung verfehlen.

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