Das sind Deutschlands neue Europaabgeordnete

Der Plenarsaal der Europaparlaments in Straßburg. [EPA-EFE/PATRICK SEEGER]

Nächste Woche beginnen die neu- oder wiedergewählten Europaabgeordneten mit der Arbeit in den verschiedenen Ausschüssen des Parlaments. Für viele deutsche Abgeordnete ist das eine absolute Premiere. EURACTIV hat sich einige von ihnen genauer angesehen.

Delara Burkhardt (SPD)

Die Volksparteien SPD und Union haben angekündigt, ihren Altersschnitt senken zu wollen. Geklappt hat das allerdings nur beschränkt: Bei der Wahl 2014 waren die deutschen Europaabgeordneten durchschnittlich 52,8 Jahre alt, jetzt sind es 49,3 Jahre. Eine, die den Schnitt drückt, ist Delara Burkhardt. Mit 26 Jahren ist die Sozialdemokratin die jüngste deutsche Abgeordnete, aber die einzige SPD-Abgeordnete unter 30. In der neuen Legislaturperiode sitzt sie im Umweltausschuss. Ansonsten gelten Migration- und Nachbarschaftspolitik als ihre Themenfelder. Die Kielerin trat bereits als Teenager der SPD bei und ist heute stellvertretende Juso-Bundesvorsitzende.

Pierrette Herzberger-Fofana (Grüne)

Deutschlands Grüne konnten ihren Stimmenanteil bei der Wahl fast verdoppeln und stellen jetzt 21 Abgeordnete im Europaparlament. Das ist Glück für Pierrette Herzberger-Fofana, die es auf dem 21. Listenplatz ins Parlament schaffte. Die promovierte Linguistin wurde in Mali geboren, wuchs im Senegal auf, zog für ihr Studium nach Deutschland und ließ sich schließlich im bayrischen Erlangen nieder. 2005 wurde sie nach eigenen Angaben als erste Afrikanerin in einen deutschen Stadtrat gewählt. Vor ihrer Wahl zur Europapolitikerin arbeitete Herzberger-Fofana als Gymnasiallehrerin und Lehrbeauftragte an Universitäten. Ehrenamtlich setzt sie sich gegen Rassismus und Genitalverstümmelung ein. Im Juli wurde sie zur Vizevorsitzenden des Entwicklungsausschusses im EP gewählt.

Nicola Beer (FDP)

Etwa die Hälfte aller deutschen Abgeordneten ist neu, bei der FPD sind es alle fünf. Angeführt werden die Neuen von Nicola Beer, die Anfang Juli auch zur Vizepräsidentin des Europaparlaments gewählt wurde. Die Rechtsanwältin hat bereits vor der Wahl im Mai in der Politik Karriere gemacht. Nachdem sie in ihrer Schulzeit bei den Jungen Liberalen aktiv war, wurde sie 1999 Abgeordnete im hessischen Landtag. Danach war sie in Hessen Staatssekretärin für Europaangelegenheit, später Kultusministerin. 2017 wurde sie in den Bundestag gewählt. Im Europaparlament sitzt sie im Industrieausschuss.

Die neuen Kräfteverhältnisse im Europaparlament

Die Europawahlen haben die Mehrheitsverhältnisse im EU-Parlament kräftig umgekrempelt. Dies macht nicht nur die Bestimmung des künftigen EU-Kommissionspräsidenten schwieriger, sondern hat auch Auswirkungen auf die inhaltliche Arbeit der Volksvertretung in den kommenden fünf Jahren.

Damian Boeselager (Volt)

Deutschland ist eines der wenigen großen Mitgliedsländer der EU, das bei der Europawahl keine Sperrklausel hat. Das macht es kleinen Parteien vergleichsweise einfach, es ins Parlament zu schaffen. Damian Boeselager erhielt mit der von ihm mitgegründeten Partei Volt 0,67 Prozent der gültigen Stimmen, genug für einen Sitz im Europaparlament. Die sozialliberale Partei Volt wurde 2017 in mehreren europäischen Ländern von überwiegend jungen Menschen gegründet. Die Themen der Partei sind Klimawandel, Migration, ökonomische Ungleichheit und Digitalisierung. Als einziger Abgeordneter von Volt ist Boeselager Teil der grünen Fraktion im Europaparlament. Der 31-jährige studierte öffentliche Verwaltung und war vor seiner Wahl als Unternehmensberater tätig.

Gunnar Beck (AfD)

Nicht mal ein Fünftel der insgesamt elf AfD-Mitglieder im Europaparlament sind Frauen, der Durchschnitt der deutschen Parteien liegt bei einem Drittel. Die rechte Partei hebt allerdings das Bildungsniveau unten den Abgeordneten: Knapp die Hälfte der Abgeordneten sind nach eigenen Angaben Doktoren oder Professoren. An der angeblichen Professur des Spitzenkandidaten Gunnar Beck kamen im Wahlkampf Zweifel auf, was zu Ermittlungen wegen des Verdachts auf Titelmissbrauch führte, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Beck, dessen Partei laut Wahlprogramm das Europaparlament abschaffen will, ist studierter Jurist mit Spezialgebiet Europarecht und lehrte zuletzt in London. Er sitzt im Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments.

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