Coronavirus in Deutschland: Flüchtlinge zur Unterstützung?

"Ausländische Ärzte, die bereits in Sachsen wohnen, aber noch keine Approbation haben, können bei Corona-Versorgung helfen." [EPA-EFE/CLEMENS BILAN]

Die Flüchtlingswelle von 2015 hat viel Aufsehen erregt und die Unterstützung für Deutschlands Rechtsextreme angeheizt. Jetzt wendet sich das Land an seine Migrantengemeinschaft, um den erwarteten Mangel an medizinischem Personal im Kampf gegen das Coronavirus zu kompensieren.

Die deutsche Regierung könnte laut eigener Aussage die Zahl der Intensivbetten verdoppeln und noch mehr Beatmungsgeräte produzieren, doch ein medizinischer Personalmangel zeichnet sich als Achillesferse ihrer Strategie zur Bekämpfung des Coronavirus ab.

In Sachsen, einer wichtigen Hochburg der nationalistischen Alternative für Deutschland (AfD), wirbt die Sächsische Landesärztekammer inzwischen für Ärzte mit Migrationshintergrund, um dem erwarteten Anstieg der Coronavirus-Fälle entgegenzuwirken.

Ausländische Ärzte, die bereits in Sachsen wohnen, aber noch keine Approbation haben, können bei Corona-Versorgung helfen,“ heißt es in einem Facebook-Post der Landesärztekammer. Voraussetzung: Deutschkenntnisse.

In den letzten Jahren war Bundeskanzlerin Merkels Entscheidung aus dem Jahr 2015, rund eine Millionen Kriegsflüchtlinge in Deutschland aufzunehmen – einer der entscheidenden Momente ihrer Kanzlerschaft – insbesondere von der AfD, aber auch von vielen Mitgliedern der Unionsparteien heftig kritisiert worden.

Intensivmediziner fordern bundesweit zentrale Verteilung von Corona-Patienten

Intensivmediziner in Deutschland fordern die bundesweit zentrale Verteilung von Coronavirus-Patienten auf die Kliniken des Landes.

Fünf Jahre später herrscht nun aufgrund der Coronavirus-Pandemie ein großer Bedarf an Medizinern aller Art in Deutschland.

Die Sächsische Landesärztekammer berichtet, dass bereits 300 Freiwillige auf den Hilferuf bei Facebook reagiert haben. Darunter seien „viele ausländische Ärzte, deren Zulassungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist – ihre Hilfe ist sehr willkommen“.

Nach Angaben der Johns Hopkins University gibt es in Deutschland derzeit 62.435 bestätigte Fälle von COVID-19 – 541 Menschen starben an der Virusinfektion. Aus Regierungskreisen hieß es kürzlich, Deutschland stehe erst am Anfang der Epidemie stehe: „Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm,“ sagte Gesundheitsminister Jens Spahn am vergangenen Donnerstag (26. März) in Berlin. „Keiner kann genau sagen, was in nächsten Wochen kommt.“

Berichte: "Preisexplosion" bei medizinischer Schutzkleidung in Deutschland

Der in der Corona-Krise drastisch gestiegene Bedarf an Schutzkleidung in den medizinischen Einrichtungen in Deutschland hat laut einem Medienbericht zu einer „Preisexlosion“ geführt.

Derweil berichtet die Nachrichtenagentur Reuters auch über einen persönlichen Fall im Zusammenhang mit dem Aufruf der Sächsische Ärztekammer: Shadi Shahda, 29, ist einer der 300 hilfsbereiten Migranten mit medizinischem Hintergrund, die im Bundesland helfen möchten.

Er kam im April letzten Jahres mit einem Visum für hochqualifizierte Arbeitssuchende und mit drei Jahren Erfahrung als HNO-Assistenzarzt aus Syrien nach Deutschland. Ein Sprachtest, den er diesen Monat ablegen sollte, um als Arzt in Sachsen arbeiten zu können, wurde jedoch wegen des Coronavirus abgesagt.

Er hat direkt auf den Facebook-Post der Ärztekammer reagiert: „Ich warte auf Ihren Anruf … Ich war sehr glücklich, als ich sah, dass ich in dem Land, in dem ich lebe, etwas tun kann.“

Melden Sie sich für "The Capitals" an

Vielen Dank für das Abonnieren des The Capitals Newsletters!
  • Mit EURACTIV immer auf dem Laufenden!

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN